Wie erhalten Kurse eine Microlearning Struktur?

Tipps & Tricks Annika Willers · vor 7 Monaten

Microlearning Kurse gliedern sich in einzelne kurze Lernschritte, erfordern eine kürzere Konzentrationsdauer und fördern so das Lernergebnis. Für Trainer und Kursersteller stellt sich damit die Frage: Wie erstelle ich Kurse nach dem Microlearning Prinzip? In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie eigene Schulungen schnell in eine Microlearning Struktur bringen ohne auf wichtige Inhalte zu verzichten.

Einzelne Lernschritte
Aufgeteilt in einzelne Lernschritte, rufen Teilnehmer wichtige Informationen nacheinander ab und bleiben konzentriert.

Seit einigen Jahren empfehlen Weiterbildungsexperten immer wieder Microlearning als Schulungsvariante, um die kognitive Belastung beim Lernen zu reduzieren. Sicherlich gibt es auch Kritik am Microlearning Ansatz: wenn neue Fähigkeiten erlernt werden sollen etwa, wird es laut Studien wie der von Jomah et al. schwierig, die Instruktionen und Erklärungen adäquat in kurzen Lerneinheiten umzusetzen. Und doch zeigt sich immer wieder, dass vor allem Pflichtunterweisungen und ähnliche betriebliche Schulungsmaßnahmen von kurzen und knackigen Formaten wie dem Microlearning als Variante vom E-Learning profitieren.

Wir zeigen Ihnen in drei grundlegenden Schritten, wie Sie Schulungen in eine Microlearning Struktur bringen, ohne gänzlich auf Instruktionen und Erklärungen in größerem Umfang zu verzichten.

  1. Inhalte aufteilen: je Thema ein Lernschritt
  2. Kernaussage vertiefen: Mehrwert für die Teilnehmer
  3. Erklärungen anbieten: integrieren oder auslagern?

1. Inhalte aufteilen: je Thema ein Lernschritt

Das A&O beim Microlearning ist die Schnelligkeit mit der Informationen gelesen und aufgenommen werden. Ein auf Microlearning eingestellter Kurs ist daher nicht kurz, sondern wird in einzelne Inhalte aufgeteilt, die zeitlich unabhängig voneinander aufgerufen werden können. Beim E-Learning lässt sich das am besten durch einzelne Module und Lernschritte bewältigen. Diese werden als solche kurz gehalten und einzeln absolviert, sodass das Training jederzeit unterbrochen werden kann.

Kompletter Lernschritt
Einzelne Lernschritte werden kurz gehalten, sodass sie unabhängig voneinander absolviert werden können.

Die Kunst ist es, den Inhalt auf einzelne Lernschritte aufzuteilen, sodass sich jeder Lernschritt auf nur eine Kernaussage fokussiert. In der Summe der Lernschritte und Kernaussagen ist der Kurs folglich möglicherweise recht lang. Doch das ist kein Problem, solange der Kurs jederzeit unterbrochen werden kann, d. h. Teilnehmer mit dem Lernen aufhören und später an derselben Stelle wieder anknüpfen können. Voraussetzung: Die Software muss das nahtlose Anknüpfen am zuletzt besuchten Lernschritt möglich machen. Teilnehmer sollen sich auf gar keinen Fall mit der Suche nach dem Lernschritt bemühen müssen, der als nächstes absolviert werden soll! Auch dann nicht, wenn beispielsweise das Gerät gewechselt wird. Das Schlüsselwort lautet hier fortsetzen.

Inhaltsverzeichnis
Teilnehmer können mit nur einem Klick beim nächsten Lernschritt weitermachen. Im Inhaltsverzeichnis sind absolvierte Lernschritte markiert.

Wie aber nun die einzelnen Lernschritte anlegen? Die einfachste Variante ist das Verwenden einer PowerPoint Präsentation als Grundlage. PowerPoint ist nicht nur ein gängiges Format für Schulungen; es hat sich glücklicherweise auch herumgesprochen, dass Inhalte auf den Folien kurz gehalten werden sollen, unterstützt durch aussagekräftige Bilder oder Grafiken. Erklärungen hingegen gehören in den gesprochenen Teil einer Präsentation und werden höchstens in den Notizen vermerkt. Genauso gehen wir nun auch bei der E-Learning Variante vor. Es wird eine Präsentation erstellt (oder eine bereits für Schulungen eingesetzte Präsentation verwendet), die ausschließlich eine Kernaussage als Text, ein Bild oder eine Grafik pro Folie beinhaltet. Dazugehörige Erklärungen werden in den Notizen festgehalten (zu den Notizen und Erklärungen kommen wir in Punkt 3 zurück).

PowerPoint Slide
Erklärungen werden in den Notizen der PowerPoint Folie festgehalten.

Überprüfen Sie nun Ihre Präsentation: Beinhaltet jede Folie eine Kernaussage, nicht mehr und nicht weniger? Falls Hintergrundbilder verwendet werden: Unterstützen sie die Kernaussage oder sind sie bloß Dekoration? Sind Grafiken auf Anhieb zu verstehen? Sind wichtige Erklärungen in den Notizen vermerkt? Dann kann es weitergehen zu Schritt 2.

2. Kernaussage vertiefen: Mehrwert für die Teilnehmer

Jetzt, wo jeder Lernschritt auf die wesentliche Aussage reduziert ist, können Sie die PowerPoint Präsentation in einen E-Learning Kurs konvertieren (falls gewünscht). Die Konvertierung erfolgt mit einer E-Learning Software wie Coursepath in Sekundenschnelle und nimmt die in der Präsentation gespeicherten Notizen als Text mit auf. Keine Sorge: der Text ist weiterhin editierbar. Aus den lose gespeicherten Notizen lässt sich später auf jeden Fall noch etwas machen, um dem Microlearning Format wieder näher zu kommen (mehr dazu in Schritt 3).

In diesem Video zeigen wir, wie eine PowerPoint Präsentation zum E-Learning Kurs wird.

Überlegen Sie nun, ob Sie die Aussage jeder Folie noch eingehender darstellen können. Gerade weil der „gesprochene Teil“ wegfällt, den eine Präsenzschulung hätte bieten können, bedarf ein Kurs weiterer Erklärungen. Das kann die Folie mit der Kernaussage allein nicht bieten. Die in den Notizen festgehaltenen Erklärungstexte gelten nur als Notlösung (siehe Schritt 3). Wie wäre es daher zum Beispiel mit einem kurzen Erklärvideo? Auch eine Infografik kann Mehrwert bieten. Unterhalb der Folie können Sie das Bild oder Video ergänzen oder die Folie damit ersetzen, je nachdem was mehr Wert bietet.

Abschließend zu jedem Lernschritt stellen Sie eine Testfrage. Das ist wichtig, damit Teilnehmer nicht einfach bloß „durchklicken“. Schnell haben sie sich an die Struktur von Aussage plus Frage gewöhnt und lesen in der Erwartung auf eine Frage auch die folgenden Schritte intensiver. Überfordern Sie die Teilnehmer aber nicht. Stellen Sie Fragen, die den Teilnehmer weder für blöd verkaufen (wie in manchen Gewinnspielen der Fall), noch resignieren lassen (dann könnte es schnell in Raterei ausarten). Wahr/Falsch Fragen eignen sich hier gut, da sie schnell beantwortet sind und die Kernaussage noch einmal unterstreichen.

Testfrage
Testfragen fördern die Motivation der Lernenden.

3. Erklärungen anbieten: integrieren oder auslagern?

Wie versprochen kehren wir nun zurück zu den ausgelagerten Texten, die evtl. in den Notizen Ihrer PowerPoint Präsentation hinterlegt sind (oder im Textfeld im Lernschritt falls bereits konvertiert). Umfangreiche Notizen bzw. Texte deuten darauf hin, dass Einfallsreichtum gefragt ist – oder wir die Microlearning Struktur nun verlassen müssen. Vielleicht haben Sie ja gute Ideen, wie Sie die Texte kürzen, in kurze Erklärvideos verpacken können, oder ähnliches? Nur zu! Falls Sie den Text aber behalten wollen: Ein kurzer Text als Erklärung schadet nicht. Doch insgesamt sollte der Lernschritt innerhalb weniger Sekunden, maximal Minuten konsumierbar sein (Faustregel: maximal 5 Minuten. Und dann sollte mit der Lerneinheit auch wirklich Schluss sein. Siehe Tipps ganz unten).

Doch machen wir uns nichts vor: ein Thema (oder einen Teilaspekt davon) auf wenige Sätze zu reduzieren, geht nicht immer und ergibt nicht immer Sinn! In diesem Fall greifen Sie auf einen Kniff zurück. Sie geben das Lernziel im Lernschritt an und verweisen an Ort und Stelle auf ein Dokument, ein längeres Video, eine Präsenzschulung oder ähnliches, das außerhalb des Kurses stattfindet. Damit behält der Kurs seine Microlearning Struktur, ohne dass wichtige Erklärungen einfach gestrichen oder zur Sinnlosigkeit verkürzt werden. Für den Teilnehmer ist deutlich, dass der Download o. ä. nicht zum Microlearning Teil des Kurses gehört. Stattdessen erhält er einen ausgelagerten Teil des Kurses, den er selbstständig verinnerlichen muss. Eine Essay Aufgabe (siehe Tipps) im Lernschritt kann hilfreich sein, um dem genauen Lesen des Dokuments bzw. Anschauen des Films oder Besuchen der Präsenzschulung einen Sinn zu geben.

Lernschritt mit Download
Screenshot: Lernschritt mit Download

Auch in der Coursepath Demo Akademie verwenden wir Download als Option um Lernschritte zu verkürzen und Inhalte außerhalb des Kurses anzubieten, unter anderem als Gedankenstütze. Der „Microlearning“ Kurs hält hierfür ein anschauliches Beispiel bereit.

Nun wissen Sie, wie Sie Kurse mit Microlearning Struktur aufbauen, doch wie sieht es mit der Umsetzung bei den Lernenden aus? Hier eine Auswahl an Tipps, wie Sie Kursteilnehmern das Lernen in Einzelschritten näher bringen.

Tipps:

Zum 5-Minuten Abruf motivieren: Ermutigen Sie die Teilnehmer Ihres Kurses, Schritt für Schritt vorzugehen. Die Lernsoftware erlaubt es unter Umständen, von einem Schritt zum nächsten zu klicken und so ggf. den gesamten Kurs auf einmal zu absolvieren. Damit geht das Microlearning Erlebnis verloren, denn nun verbringt der Lernende ja viel mehr Zeit mit dem Training als gedacht. 5 Möglichkeiten, die Ihnen dabei helfen, die Lernzeit einzuschränken:

  1. Übergänge schaffen
  2. Grenzen Sie Module und Lernschritte deutlich von einander ab. Legen Sie Lernschritte als Übergang dazwischen und leiten Sie damit zum nächsten Thema über. Dieser fast „leere“ Lernschritt kann neben der Ankündigung zum nächsten Thema durchaus eine Funktion haben. Eine Skala zur Bewertung oder Einschätzung der bisher gewonnenen Kenntnisse ist hierfür ein schönes Beispiel.

  3. Module nacheinander freischalten
  4. Stärker noch ist die Trennung von Modulen, wenn sie zeitlich versetzt freigeschaltet werden. In diesem Fall bekommt der Teilnehmer eine Benachrichtigung, wenn ein neues Modul freigeschaltet ist und zum Lernen zur Verfügung steht.

    Zeitrahmen für Module festlegen
    Legen Sie Zeitrahmen für Module fest und schalten diese nacheinander frei.

  5. Diskussions- und Feedbackrunden einplanen
  6. Formate wie Microlearning, Blended Learning, Mobile Learning etc. werden meist einzeln gehandelt, dabei können sie einander wunderbar ergänzen. Im Sinne des Blended Learning (also dem Vermischen von online und offline gehaltenen Lernmaßnahmen) lässt sich zum Beispiel wunderbar eine zeitliche Trennung zwischen Lernschritten und Modulen schaffen. Setzen Sie sich doch einmal zu einer Feedbackrunde zum Ende des Moduls zusammen. Hier können Sie Unklarheiten klären und die Lerninhalte noch einmal reflektieren und vertiefen lassen.

  7. Social Media Unterstützung
  8. Statt E-Learning Software oder ergänzend können Lerninhalte auch via soziale Netzwerke als „Snack“ angeboten werden. Ein Tweet zum Beispiel besteht aus einem kurzen Text und evtl. einem ansprechenden Bild. Inwiefern Social Media als alleinige Lernmethode dienen kann, sei dahin gestellt. Doch zur tagtäglichen kurzen Konfrontation mit Kernaussagen ist Social Media recht geschickt und bringt den Lernenden die Microlearning Struktur näher.

  9. Und zum Schluss: Immer wieder selbst testen
  10. Lassen sich Lernschritte wirklich innerhalb weniger Minuten absolvieren und verinnerlichen? Werden die Inhalte trotz der Kürze adäquat übermittelt? Schreiben Sie sich dazu selbst als Teilnehmer ein. Auch Kollegen können den Kurs durchlaufen und ihr Feedback geben. Hilfreich ist auch ein Testdurchlauf mit Zeit stoppen. Das kann übrigens auch die Software übernehmen – dafür sollten Sie die Schritte aber wirklich alle nacheinander durchlaufen, sonst wird es ungenau.

    Aktivitätenlog
    Im Aktivitätenlog sehen Sie, wie lange ein Teilnehmer für einen Lernschritt gebraucht hat.

    Sobald Teilnehmer den Kurs besuchen, ist es umso wichtiger, die benötigte Zeit und vor allem die Lernergebnisse regelmäßig zu kontrollieren. Nur wenn Lernschritte einzeln besucht werden, bzw. nach spätestens 5 Minuten Lernzeit Pausen gemacht werden, ist die Microlearning Struktur eingehalten worden. Doch nur wenn auch die Lernergebnisse stimmen, können Sie das Format als Erfolg verbuchen. Verzweifeln Sie nicht, falls das nicht auf Anhieb klappt. Holen Sie das Feedback Ihrer Teilnehmer ein und nehmen Sie es ernst. Spielen Sie auch mit der Struktur: verschieben Sie Elemente aus dem Microlearning Teil des Kurses in einen Anhang. Oder umgekehrt: Versuchen Sie, aus einem Anhang eine Microlearning Präsentation zu erstellen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Dieser Artikel hält das Microlearning Format leider gar nicht ein. Doch schauen Sie einmal in den Microlearning Kurs in der Coursepath Akademie. Dort finden Sie auch Beispiele von ausgelagerten Inhalten als PDF Download und vieles mehr.


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