Trend Report Interview: Warum der DIY-Trend das E-Learning erobert

E-Learning Trends Sina Burghardt · vor 11 Monaten

Die Produktion von Lerneinheiten im eigenen Haus verspricht geringere Kosten und oftmals auch einen schnelleren und schlankeren Produktionsablauf, z. B. da die Koordination mit einem externen Dienstleister entfallen kann. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Trend zur Eigenproduktion in den vergangenen Jahren immer stärker zugenommen hat, Neben eigenständigen Autorentools bieten heutzutage auch immer öfter Lernplattformen mit integrierten Autorenwerkzeugen die Option, den gesamten Prozess von der Erstellung bis zur Verwaltung in einem System abzubilden. Um die Vorteile eines solchen Systems auszuloten, stand uns Mujibor de Graaf von Coursepath für ein Interview zur Verfügung.

Titelblatt Trendreport
Interview mit Mujibor de Graaf im eLearning Journal Trend Report

eLearning Journal: Guten Tag Herr de Graaf. Die eLearning BENCHMARKING Studie 2017 hat ergeben, dass mit 57 % die Mehrheit der befragten Unternehmen neue eLearning-Lerneinheiten in Eigenproduktion ohne einen externen Dienstleister herstellt. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen als eLearning-Dienstleister? Welche Argumente sprechen aus Sicht eines Unternehmens für die Eigenproduktion und welche für die Fremdproduktion mit einem externen Dienstleister?

Mujibor de Graaf: Ja, das bemerken wir auch. Immer mehr Unternehmen legen Wert darauf, dass eLearnings einfach selbst zu erstellen sind. Oft werden Personen mit der Erstellung von Lerneinheiten betraut, die zwar Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet sind, aber sich mit eLearning noch gar nicht wirklich auskennen. Sie verfügen also bereits über das Wissen, das sie vermitteln sollen – das spricht natürlich für die Eigenproduktion – ihnen fehlt nur die geeignete Plattform, mit der sie dieses Wissen dann auch den anderen Mitarbeitern verfügbar machen können. Und das am besten ganz einfach und ohne sich lange in komplizierte Software einarbeiten zu müssen. Bei der Fremdproduktion hingegen ist es genau andersherum: hier sind dann die eLearning-Experten am Werk, aber das zu vermittelnde Wissen muss hier noch „angefüttert“ werden.

eLearning Journal: Bei eurer Lernplattform „Coursepath“ handelt es sich um ein LCMS, d.h. um ein Lernmanagementsystem mit einem integrierten Autorensystem. Wie genau kann man sich die Erstellung und Verwaltung von Lerninhalten aus einer Hand mit Coursepath vorstellen?

Mujibor de Graaf: Die Erstellung von Lerninhalten erfolgt auf der Plattform selbst, d.h. also dass kein zusätzliches Autorentool benötigt wird. Das macht die Erstellung von eLearning-Kursen natürlich unkomplizierter. Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie ein Bücherregal, das wir den Kunden zur Verfügung stellen. Die Bücher – also Kurse – schreibt der Kunde selbst, gegliedert in Kapitel – Module – und einzelne Seiten – die Lernschritte. Die Kursteilnehmer lesen dann diese Bücher, wobei nachverfolgt werden kann, wann das Buch aus dem Regal genommen wurde – wann der Kurs also gestartet wurde – und wie lange für das Lesen der einzelnen Seiten – Lernschritte – gebraucht wurde. Wenn ein Lernschritt eine Frage beinhaltet, dann kann natürlich auch nachverfolgt werden, ob diese Frage richtig beantwortet wurde und ob das beim ersten oder zweiten Versuch war.

Kursübersicht in Coursepath
Von der Kurserstellung bis hin zur Verwaltung – alles in einem System

eLearning Journal: Wie umfangreich ist das Autorensystem von Coursepath? Gibt es Alleinstellungsmerkmale? Gibt es Einschränkungen gegenüber eigenständigen Autorentools?

Mujibor de Graaf: Mit dem Autorensystem lassen sich die wichtigsten Funktionen, die eLearning-Kurse abbilden sollen, abdecken. Uns ist aber wichtig, dass Coursepath nicht „überladen“ wird. Wir verzichten also zugunsten der Benutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit lieber auf das ein oder andere Feature. So gibt es in Coursepath selbst z. B. keine animierten Vorlagen oder nicht die Möglichkeit ein SCORM- oder HTML5-Paket zu erstellen. Integrieren lassen sich solche Pakete aber bei Bedarf natürlich trotzdem. Mit dem Unterschied, dass Coursepath einfach und intuitiv bleibt.

eLearning Journal: Gerade in Unternehmen, die bisher wenig oder noch gar kein eLearning einsetzen, sind vorhandene Trainingsmaterialien oftmals nur in der Form von PPT oder PDFs verfügbar. Können diese Trainingsmaterialien für die zukünftige Gestaltung von Lerneinheiten mit Coursepath verwendet werden?

Mujibor de Graaf: Ganz eindeutig: Ja! PPT Präsentationen oder PDFs sind eine hervorragende Grundlage für eLearning-Einheiten mit Coursepath, da diese ganz einfach in einen Kurs konvertiert werden können. Das geht am besten hands-on, indem man die Dateien einfach einmal hoch lädt und sich anschaut, wie sie als Kurs wirken. Mit ein paar Handgriffen und Optimierungen in den ursprünglichen Dateien steht dann meistens ein perfekter Grundstein für die eLearnings. Und dann kann weiter ergänzt werden: mit Bildern oder vielleicht auch MP3-Dateien oder Videos.

eLearning Journal: Moderne Autorensysteme strotzen oft vor Funktionen, Templates und grafischen Vorlagen, was einerseits natürlich umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten garantiert aber andererseits den Einstieg für Autoren erschweren kann. Wie benutzerfreundlich ist das Autorensystem von Coursepath? Bietet Ihr Schulungen oder ähnliches für eure Kunden an?

Mujibor de Graaf: Wir stehen dafür, dass Coursepath zum direkten Start einlädt. Keine „überflüssigen“ Funktionen, die das System nur unübersichtlich machen, sondern ein benutzerfreundliches und intuitives Tool, das selbsterklärend und auch für den technisch nicht ganz so versierten Nutzer niederschwellig ist. Natürlich steht unser Support bei Fragen immer zur Stelle und wir führen auch gerne in einer Live-Demo durch alle Funktionen. Und für die Autodidakten erstellen wir gerade neue Tutorials – die ersten sind schon auf YouTube zu finden.

Tutorial im YouTube Channel von Coursepath

eLearning Journal: Immer wichtiger ist heutzutage bei der Erstellung auch das Thema Mobile Learning, d.h. ob die Lerneinheiten auch mit mobilen Endgeräten kompatibel sind. Können mit Coursepath mobile-fähige Lerneinheiten produziert werden?

Mujibor de Graaf: Ja, sehr gut sogar. Coursepath lässt sich von jedem Gerät einfach über den Browser abrufen, ohne dass vorher eine Installation notwendig wäre. Wir haben uns deshalb auch bewusst dafür entschieden, keine separate App für Mobilgeräte zu entwickeln. Coursepath hat ein responsives Design, d.h. dass sich die Inhalte automatisch an die Größe des Bildschirms anpassen – egal ob Computer oder eben auch Tablet und Smart Phone. Ein Tipp für die besonders mobil-gerechte Erstellung: Bei PowerPoint Folien auf eine ausreichend große Schrift achten. Lange Texte sollten besser in die Notizen der Präsentation verschoben werden, denn dann werden sie nicht wie die Folie als Bild übernommen, sondern bleiben Text, der sich dann wiederum auch an die Größe des Bildschirms anpasst.

eLearning Journal: Das komplette LCMS ist webbasiert und steht als Software-as-a-Service zur Verfügung. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für Unternehmen?

Mujibor de Graaf: Wie eben schon kurz angesprochen braucht Coursepath keine Installation. Dadurch ist die Plattform direkt einsatzbereit und kann bis auf ein paar Handgriffe beim Branding umgehend für die Schulung eingesetzt werden. Verwaltung, Wartung und auch Backups und Sicherung der Daten, das ist alles im Service enthalten. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist auch das geringe Investitionsrisiko ein wichtiger Vorteil. Hardware wie z. B. Server muss nicht angeschafft werden und die Betriebskosten bleiben kalkulierbar, flexibel und transparent. Und das Beste zum Schluss: Wir entwickeln uns ständig weiter und zwar gemeinsam mit unseren Kunden. Basierend auf neuen Anforderungen oder neuen technischen Entwicklungen gibt es auch immer wieder Updates. Und die sind dann natürlich auch für alle Nutzer direkt verfügbar.


Dieses Interview mit Mujibor de Graaf erschien zuerst im eLearning Journal Trend Report.