Wie teste ich das Wissen meiner Teilnehmer? Tipps zur Erstellung von Testfragen und Co.

Tipps & Tricks Sina Burghardt · vor 1 Jahr

Bei der Erstellung von E-Learning Kursen, die zur Wissensvermittlung genutzt werden, stellt sich früher oder später die Frage, wie man dieses Wissen effektiv überprüfen kann. Die Antwort ist einfach: Durch Tests. Die Testerstellung ist aber für viele nicht ganz so einfach. Wie Sie geeignete Testfragen effizient erstellen und welche weiteren Faktoren dabei zu beachten sind, lesen Sie hier.

Frau die mit den Schultern zuckt
Noch keine Idee wie Sie Testfragen erstellen?

Die Erstellung von Testfragen fordert vor allem solche Trainer heraus, die neu auf dem Gebiet der Schulungserstellung sind oder deren eigentliche Aufgabengebiete ganz woanders liegen. Obwohl sie durchaus über das Fachwissen verfügen, das sie vermitteln wollen oder sollen. Beispiel wäre hier ein Produktmanager, der Vertrieb und Produktion neue Kenntnisse zum Produkt liefern will. Seine Anforderung: Eine Schulungsmethode mit Testfragen, die das neugewonnene Wissen möglichst objektiv prüfen. Dabei ist es wichtig zu wissen, welche Fragetypen sich zur Überprüfung welcher Kenntnisse eignen und wie diese Wissensfragen dann schließlich gut aufbereitet werden können. Hier stellen wir 3 grundlegende Schritte vor, wie Sie zur effektiven Fragestellung kommen.

1. Fragen am Lernziel orientieren

Bevor es an die eigentliche Erstellung der Fragen geht, sollte geklärt werden, welche Lernziele mit der Beantwortung überprüft werden sollen. Orientieren Sie sich an folgenden Fragen:

Muss zur Beantwortung der Prüfungsaufgabe…

  • nur gespeichertes Wissen wiedergegeben oder mit diesem Wissen etwas erkannt werden?
    Ja? Dann ist das Lernziel Reproduktion.
  • das Gelernte selbstständig verarbeitet, also verstanden und angeordnet werden?
    Dann ist das Lernziel Reorganisation.
  • ein gelerntes Grundprinzip auf eine neue, ähnliche Aufgabenstellung übertragen werden?
    Dann ist das Lernziel Transfer, mit dem Fokus Anwendung.
  • ein Sachverhalt nach vorgegebenen Kriterien untersucht werden?
    Dann ist der Lernziel Transfer, mit dem Fokus Analyse.
  • eine Lösung für neue Fragen und Aspekte gefunden werden und sind hier verschiedene Ansätze möglich?
    Dann ist das Lernziel Problemlösendes Denken.

Sind die Lernziele erst einmal definiert, können die passenden Fragestellungen und Formulierungen ausgewählt werden, wie wir im nächsten Schritt vorstellen werden.

2. Abwechslungsreiche Fragen erstellen

Generell sollten verschiedene Aufgaben in einer Prüfung vorkommen. Unterschiedliche Fragetypen bieten den Teilnehmern Abwechslung und lassen die Prüfung nicht eintönig werden.

Aufbau einer Aufgabe:

  • Ein Titel zu jeder Aufgabe kann sinnvoll sein, ist aber nicht zwingend nötig. Wenn Sie Titel vergeben wollen, eignen sich die Überschriften der Lernschritte gut.
  • Der Einführungstext führt die Lerner zur Aufgabe hin und grenzt das abgefragte Gebiet vorab ein.
  • Im Aufgabentext wird den Lernern der Sachverhalt erklärt.
  • Der Fragetext enthält die eigentliche Aufgabe. Hier ist es wichtig, dass klare Aufträge gestellt werden. Zudem sollte den Lernern klar erkennbar sein, was genau von ihnen erwartet wird und, gerade bei Freitextaufgaben, in welchem Umfang die Aufgabe zu lösen ist.

Welche Frage bei welchem Lernziel?

  • Reproduktion (Wissen): Lassen Sie Ihre Teilnehmer etwas anführen, aufzählen, benennen, definieren, nennen oder wiedergeben. Hierfür eignen sich z. B. kurze Freitext Aufgaben.
  • Reorganisation (Verstehen): Hier geht es ums Anordnen, Beschreiben, Deuten, Einordnen, Erklären, Vergleichen und Zuordnen. Ein passender Fragetyp wäre eine Wahr/Falsch Frage.
  • Transfer (Anwendung): Anwenden, Auswerten, Erstellen, Prüfen, Umsetzen und Verwenden sind hier gefragt. Eine breit angelegte Hotspot oder eine Multiple-Choice Frage kann hier weiterhelfen.
  • Transfer (Analyse): Hierzu gehört das Analysieren, Auswählen, Gliedern und Überprüfen. Stellen Sie hier eine Single-Choice Frage (mit nur einer richtigen Antwort) oder ein Hotspot-Bild mit einem eng begrenzten Bereich.
  • Problemlösendes Denken (Synthese): Teilnehmer müssen begründen, entwerfen, folgern, planen oder ein Problem lösen. Hier wäre eine Essay-Frage geschickt.
  • Problemlösendes Denken (Bewertung): Abschätzen, beurteilen, diskutieren, evaluieren, kommentieren. Lassen Sie Teilnehmer hier Kommentare einstellen, auf die Sie und andere Teilnehmer reagieren können.

Fragezeichen

Tipp:

Notieren Sie bereits während der Kurserstellung Ihre Ideen für Testfragen. So können Sie die Fragen später schneller erstellen und sicher gehen, dass die Fragen auf die Lerninhalte abgestimmt sind. Auch beim Lesen von Fachliteratur und Zeitungen können Ideen gesammelt werden. Aktuelle Themen können so gut in den Testfragen aufgegriffen werden und ein Bezug zum aktuellen Geschehen entsteht.

3. Auswertung – geht das auch automatisch?

Die meisten Fragetypen, die Ihnen im LMS zur Verfügung stehen, lassen eine automatische Auswertung zu: Single und Multiple Choice, Wahr oder Falsch-Fragen, aber auch Hotspot-Fragen lassen sich durch vorab definierte Lösungen automatisch auswerten.

Anders sieht das bei Freitext-Aufgaben aus, hier ist eine manuelle Auswertung unabdingbar. Ein Trainer muss die eingereichten Aufgaben separat durchgehen und bewerten und kann erst dann dem Teilnehmer eine konstruktive Bewertung geben.

Wer jetzt aber denkt, dass sich mit automatisch auswertbaren Aufgaben nur Wissen abfragen lässt, nicht aber Verstehen oder gar Anwendungs- und Beurteilungsaufgaben überprüfen lassen, der denkt falsch. Die Aufgabenstellung ist hier entscheidend. Und mit ein bisschen Übung und Erfahrung gelingt Ihnen sicher auch die Erstellung einer Anwendungsaufgabe als Hotspot-Frage.

Fazit

Mit der richtigen Vorbereitung, etwa durch Feststellung der Lernziele und Notieren von Fragen während der Kurserstellung, sind gute Testfragen schnell erstellt.

Neben der Überprüfung des Wissens der Teilnehmer dienen Tests natürlich auch als Rückmeldung für den Trainer, der Rückschlüsse zum Aufbau seiner Schulung ziehen kann und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen kann. Außerdem bietet sich über die Prüfung der Schulungsteilnehmer auch eine Berichtsfunktion an den Betrieb selbst. Durch Zertifikate kann Mitarbeitern nach erfolgreicher Kursteilnahme zudem die Qualifizierung für spezifische Aufgaben bescheinigt werden.


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