Online-Trainings: Tipps zur Auswahl der richtigen Stimme

Tipps & Tricks Manuel Yasli · vor 3 Jahren

Der Erfolg von Online-Trainings setzt sich aus vielen Aspekten zusammen. Mit dem richtigen Sprecher für Ihr E-Learning-Projekt zu arbeiten, ist ein Teil des großen Ganzen. Deshalb haben wir eine Expertin gefragt, worauf es bei der Auswahl der passenden Stimme ankommt.

Kopfhörer im Tonstudio

Den Anwender richtig an-sprechen

Bei der Suche nach einem geeigneten Sprecher können Sprecheragenturen helfen. Regina Esser von der Sprecheragentur sprechersprecher.de hat schon viele Unternehmen mit Sprechern „verkuppelt“ und weiß, worauf es ankommt. Laut Esser vermitteln die E-Learning-Stimmen Menschlichkeit und je nach Anwendungsgebiet Autorität oder Empathie. Kurz: Sie öffnen uns für den Erhalt der Inhalte.

Wie findet man den richtigen Sprecher für seine Zwecke?

„Bei der Sprecherauswahl achte ich immer darauf, dass die Stimme beim E-Learning zum Inhalt, aber auch zur Marke und zum Unternehmen passt. Denn das Unternehmen erhält durch den Sprecher eine eigene Stimme, welche die Lernenden direkt und persönlich anspricht. Und weil wir in Stimmen auch immer Charakterzüge interpretieren, entwickelt sich vor unserem geistigen Auge eine Marken- bzw. Unternehmens-Persönlichkeit.

Wenn ein junges Start-Up, das in seiner CI hauptsächlich jugendliche Werte kommuniziert, eine ü60 Promi-Stimme für sein E-Learning oder seinen Imagefilm haben will, weil man diesen Sprecher eben als Synchronstimme kennt, würde ich in 99% der Fälle ganz stark davon abraten, denn hier stimmt der Fit zwischen Stimme und Marke nicht.

Wichtig bei der Sprecherauswahl ist es, dass die Zielgruppe den Sprecher akzeptiert und ihm oder ihr auch bei längeren E-Learning Modulen die Aufmerksamkeit schenkt. Natürlich ist die Sprecherauswahl auch immer an Budgetbeschränkungen und Verfügbarkeiten geknüpft – der Sprecher sollte also zum Unternehmen und zum Inhalt des E-Learning passen, die Aufmerksamkeit der Nutzer auch über längere Textpassagen halten können, verfügbar sein sowie im Produktionszeitraum und im Budget liegen.“

Worauf sollte man bei einem Sprecher für E-Learning-Angebote achten?

„Speziell bei E-Learning sollte man schauen, dass der Sprecher geübt ist in Fließtexten. Bei Sprechern, die sonst nur kurze Imagefilme von zwei bis fünf Minuten Text sprechen, kommt es gerne mal vor, dass sie nach einer Stunde im Studio anfangen unsauber zu sprechen, sich zu verhaspeln und somit viel mehr Studiozeit beanspruchen, als es fließtextgeübte Sprecher tun würden. Auch wichtig ist es, eine langfristige Verfügbarkeit des Sprechers sicher zu stellen, damit man auch die kommenden Module mit ihm produzieren kann – was bei E-Learning nicht selten so gehandhabt wird.“

Go Pro!

Beim Aussuchen des richtigen Sprechers steht Professionalität im Vordergrund: Das heißt, dass der Sprecher eine langjährige Ausbildung und Sprecherfahrung haben sollte – am besten sogar im E-Learning-Bereich.

Was macht einen professionellen Sprecher aus? Warum sollte man einen professionellen Sprecher überhaupt engagieren?

„Ein professioneller Sprecher hat eine Ausbildung (meistens Rundfunk- oder Schauspiel-Background), beherrscht seine Stimme wie ein Instrument und kann somit auf Knopfdruck dutzende Abstufungen in der Tonalität und dem Timbre vollziehen. Ein Profi spricht auch in einem angemessenen Tempo, variiert in der Sprachmelodie, macht Pausen und artikuliert sich deutlich. All das kann ein Amateur nur sehr bedingt leisten, da es jahrelanges Training der Stimme braucht.“

Wie wird abgerechnet?

Abrechnung
Die Abrechnung spielt oft eine wichtige Rolle.

„Die Sprechergage berechnet sich nach Wort-Umfang und Nutzung. Bei E-Learning ist die Nutzung in aller Regel unternehmensintern, für den Wort-Umfang kann man als Daumen-Regel immer 150 Wörter pro Minuten rechnen.

Welche Kunden beanspruchen einen Sprecher?

„Alle, für die es Sinn macht, einen Profisprecher zu nutzen. Das ist meiner Erfahrung nach auch komplett unabhängig von der Größe der Kunden. Auch kleinere und mittelständische Unternehmen produzieren schon hochwertige Online-Trainings für ihre Mitarbeiter.“

Welche Art von Text prägt sich ein?

„Die Textredaktion sollte immer jemand übernehmen, der den Unterschied zwischen Wort- und Schriftsprache kennt. Denn Wortsprache, also gesprochene Sprache, wird immer über das Kurzzeitgedächtnis verarbeitet, deshalb müssen Sprechertexte auch immer ganz anders geschrieben werden.

Hier muss man Sätze viel kürzer halten und weniger Verschachtelungen einbauen, um es dem Zuhörer leicht zu machen, dem Text zu folgen. Denn als Hörer kann man nicht mal eben an den Anfang des Satzes zurück, wenn man ihn nach fünf Verschachtelungen vergessen hat. Ein Sprecher sollte in aller Regel keine Textredaktion übernehmen, denn seine Kompetenz liegt ganz klar darin, zu sprechen. Es gibt immer mal Ausnahmen, aber darauf würde ich nicht hoffen.“