Klischees im eLearning – Teil 3: eLearning Erstellung ist was für die jungen Technik-Profis?

Annika Willers · eLearning Trends · Zuletzt aktualisiert am 12. Mai 2021

Aufgewachsen mit PC, Software und Handy. Klar, dass Generation Y und Co. prädestiniert sind für „technische“ Themen wie eLearning. Oder? Nein, ganz so einfach ist es nicht!

Mit der Studie „Dem Schulungsersteller auf der Spur“ wurden 105 Unternehmensmitarbeiter befragt, die sich selbst als „verantwortlich für die Schulung von mind. 10 Personen“ bezeichnen. Dass Männer dabei nicht unbedingt besser abschneiden als Frauen wurde schon in Teil 1 dieser Artikelreihe festgestellt. Um Mitarbeiter großer vs. kleiner Unternehmen ging es dann in Teil 2. Im nun folgenden dritten Teil geht es um die Generationenfrage. Wenden die jüngeren Schulungsverantwortlichen mehr eLearning an als die älteren? Wer traut sich auch die eigene Erstellung eher zu? Halten Sie sich fest, hier kommen die Ergebnisse!

Klischees im eLearning
Generation Y ist jung und technikaffin. Aber sind die jungen Schulungsverantwortlichen dadurch auch dem eLearning gegenüber offener?

eLearning = eine Generationenfrage?

Man mag es kaum glauben. Stärker als Generation Y und Z setzen Generation X und Babyboomers – also die Über-40-Jährigen – auf eLearning Formate für die Weiterbildung in ihrem Unternehmen. Während Unter-40-Jährige eLearning zu 60% einsetzen, tun die Über-40-Jährigen das bereits zu 70%.

Die Entscheidung für oder gegen eLearning hängt natürlich von vielen Faktoren ab: Bedarf und Budget im Unternehmen, Akzeptanz der Teilnehmer, Eignung der IT-Infrastruktur u. v. m. Darüber hinaus muss der Schulungsverantwortliche abschätzen, ob er/sie sich in der Lage sieht, Schulungen im eLearning Format umzusetzen. Und genau hier setzt die Coursepath eLearning Studie an. Die 105 teilnehmenden Personen geben Einblick in ihre Einschätzung zu Chancen und Hindernissen bei der eLearning Erstellung. Die Hindernisse sind vielfältig und so mag es kaum überraschen: selbst erstellen tut fast niemand.

Wenn überhaupt eLearning Kurse selbst aufgesetzt werden, dann im Teamwork. Und von den Über-40-Jährigen. Von den Befragten erstellt kein einziger Unter-40-Jähriger alleine eLearning Kurse. Immerhin 4 Über-40-Jährige der befragten Gruppe (9%) tun das bereits. Ein repräsentatives Bild liefern diese Ergebnisse noch nicht, doch sie machen klar: die Generationenfrage darf nicht gefühlsmäßig zugunsten der Jüngeren beantwortet werden. Möglicherweise interessieren sich die etwas älteren Schulungsverantwortlichen stärker für den eLearning Einsatz als die jüngeren.

Insgesamt verzichten 80% der Unter-40-Jährigen auf die Erstellung von eLearning Kursen oder geben sie ab (im Vergleich zu 77% der Über-40-Jährigen).

Schwierigkeit vs. Zeitaufwand

Die jüngeren Schulungsverantwortlichen scheinen insgesamt nicht unbedingt sehr software-affin zu sein, denn sie schätzen gut zur Hälfte (48%) den Schwierigkeitsgrad für die selbstständige Erstellung eines eLearning Kurses als eher oder sehr hoch ein (vs. 29% bei den Über-40-Jährigen). Dennoch ist den Unter-40-Jährigen der geringe Zeitaufwand wichtig (76% vs. 62%).

Schwierigkeitsgrad nach Alter
Empfundener Schwierigkeitsgrad der eLearning Erstellung nach Alter

Von Zeitaufwand und Schwierigkeit abgesehen unterscheiden sich die wahrgenommenen Vorteile von eLearning zwischen den Altersgruppen kaum. Bei den Nachteilen von eLearning stimmen den meisten Punkten mehr jüngere Schulungsverantwortliche zu. Fehlender persönlicher Kontakt/Austausch zwischen Lernenden und Trainer, fehlende Gruppendynamik und selbst erforderliche Hilfe von IT oder Assistenten und komplizierte Softwarebedienung finden bei den Unter-40-Jährigen mehr Zustimmung. Die Über-40-Jährigen widerlegen damit das Vorurteil, dass sie sich Softwarebedienung weniger gewachsen sehen und mehr Hilfe von IT oder Assistenten benötigen könnten.

Übrigens: Keinesfalls möchten die Verfasser dieses Artikels andeuten, Über-40-Jährige seien „alt“. Die gelegentliche Verwendung der Begriffe „Ältere“ und „Jüngere“ ist einzig auf die Unterscheidung der beiden Gruppen (über oder unter 40 Jahre) bezogen.

Eine Frage der Professionalität?

Wenn nicht das Alter, ist dann die Professionalität ausschlaggebend für die Frage der eLearning Anwendung und Selbsterstellung? D. h., haben manche Schulungsersteller eine Ausbildung oder einen entsprechenden Werdegang, der sie zur Schulungserstellung befähigt? Oder gibt es auch „Fachfremde“, die spontan in eine Rolle als Schulungsersteller schlüpfen, etwa weil sich ein akuter Schulungsbedarf eingestellt hat, ohne dass entsprechendes Personal zur Schulungserstellung vorgesehen ist? Beide Gruppen „Fachleute“ und „Fachfremde“ sind bei der vorliegenden Studie vertreten. Doch genau wie bei der Generationenfrage, fallen die Ergebnisse nicht unbedingt erwartungsgemäß aus.

Schwierigkeitsgrad nach Funktion
Empfundener Schwierigkeitsgrad der eLearning Erstellung nach Funktion

Zur Gruppe der „Fachleute“ aus dem Schulungsbereich gehören Schulungsverantwortliche im Bereich Personalverwaltung, Personalmanagement und Learning & Development. Kernbereich ihres Aufgabengebietes sind Schulungen von Mitarbeitern, somit haben sie Fachwissen und Erfahrung mit Schulungsthemen und dürften sich auch mit eLearning bereits besser auskennen als sogenannte „Fachfremde“.

Zu den „Fachfremden“ zählen Schulungsverantwortliche, deren Fokus normalerweise nicht unbedingt bei der Schulung von Mitarbeitern liegt. Hierzu zählen Produktmanager, Teamleiter, Geschäftsführer u. ä. Sie übernehmen einen Schulungsprozess „nebenbei“, aus einer Notwendigkeit heraus – im Gegensatz zu Fachleuten, die sich regelmäßig mit Schulungsthemen auseinandersetzen.

Und nun das überraschende Ergebnis: trotz Wissens- und Erfahrungsvorsprung der Fachleute, setzen Fachfremde häufiger eLearning ein und empfinden den Schwierigkeitsgrad der eLearning Erstellung als weniger hoch.

Beim Vergleich zwischen Personen aus dem Schulungsbereich und Fachfremden fällt auf, dass Schulungspersonal die komplizierte Softwarebedienung als Hindernis für die Nutzung von eLearning sieht (14%), Fachfremde dagegen fast gar nicht (2%). Auch dass Hilfe von IT oder anderen benötigt werde oder Inhalte häufig geändert werden müssen, sehen überwiegend Personen aus dem Schulungsbereich als Hindernis. Den Zeitaufwand nehmen beide Gruppen gleich als eher geringen Nachteil wahr. Dafür sehen Personen, die nicht aus dem Schulungsbereich kommen, die Kosten stärker als Hindernis. Insgesamt ist diese Gruppe öfter der Meinung, dass eLearning keine Nachteile bringe (22%). Generell sind die Fachleute in fast allen Bereichen skeptischer. Häufiger als die Fachfremden nennen sie den fehlenden persönlichen Austausch und Gruppendynamik und geringere Effektivität. Außerdem meinen sie, dass Hilfe von IT oder Assistenten nötig sei, Inhalte häufig geändert werden müssen und die Softwarebedienung kompliziert sei. Sogar die Bedingung für einen PC-Arbeitsplatz sehen sie vereinzelt noch als Hindernis.

Fazit

Der Einsatz von eLearning für interne Schulungszwecke etabliert sich nur langsam, sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Verantwortlichen für Schulungsvorhaben. Davon auszugehen, dass eLearning stärker eingesetzt und auch aus erster Hand produziert werden wird, wenn mehr Jüngere die Verantwortung für solche Projekte übernehmen, ist ein Trugschluss. Jüngere Schulungsverantwortliche erweisen sich sogar als zögerlicher was Anwendung von eLearning Software angeht, als einige Ältere (Über-40-Jährige). Diese Erkenntnis beruht nicht unbedingt auf unterschiedlicher Professionalität. Tatsächlich sind auch weniger professionelle Schulungsverantwortliche – etwa Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Produktmanager und andere „Fachfremde“, die ein Schulungsprojekt aus akuter Notwendigkeit heraus übernommen haben – dem eLearning gegenüber aufgeschlossener als „Fachleute“ aus dem Personal- oder Learning & Development Bereich. eLearning löst sich damit aus einer Nische und tritt immer mehr in den Unternehmensalltag ein – bei allen Berufsgruppen und Altersklassen.

Jetzt kostenlos: Die eLearning Studie zum Download

Whitepaper anfordern