Klischees im E-Learning – Teil 2:
Den modern arbeitenden Schulungsersteller gibt es nur in großen Unternehmen?

E-Learning Trends Annika Willers · vor 3 Wochen

Große Unternehmen setzen häufig E-Learning ein, kleine nicht? Falsch gedacht! Die Studie „Dem Schulungsersteller auf der Spur“ beleuchtet Praktiken der heutigen Schulungserstellung im Unternehmen mit besonderem Fokus aufs E-Learning. 105 Unternehmensmitarbeiter die sich selbst als „verantwortlich für die Schulung von mind. 10 Personen“ bezeichnen, geben ihre Einschätzung zum Einsatz sowie zu Vor- und Nachteilen von E-Learning Angeboten. Die Erkenntnisse räumen auf mit gängigen Klischees zur E-Learning Erstellung. Wer glaubt, Schulungsersteller seien männlich, unter 40 und vor allem in großen Unternehmen anzutreffen, kann sich auf einiges gefasst machen.

Klischees im E-Learning
Im großen Unternehmen sind digitale Schulungsmaßnahmen unerlässlich. Aber nicht nur dort.

Es ist wahr: In großen Unternehmen wird etwas mehr E-Learning eingesetzt als in kleinen. Große Betriebe (über 250 Mitarbeiter) setzen laut der Studie zu etwa 76% grundsätzlich E-Learning Angebote ein. Doch auch über die Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen setzt bereits auf E-Learning (54%). Und wie stehen die Schulungsverantwortlichen in den jeweils großen und kleinen deutschen Unternehmen dazu?

Große Unternehmen straucheln mit Zeitaufwand und selbstständiger Erstellung

In großen Unternehmen wird der Schwierigkeitsgrad für die selbstständige Erstellung eines E-Learning Kurses stärker als eher oder sehr hoch eingeschätzt als in kleinen Unternehmen (43% vs. 23%). Große Unternehmen befürchten auch eher einen Nachteil beim Zeitaufwand durch E-Learning Erstellung (16% vs. 6%).
Häufig liegt das gar nicht daran, dass etwa die Softwarebedienung ein Hindernis darstellt. Vielmehr sind in großen Unternehmen bei E-Learnings mehr Stakeholder in den Prozess involviert. Zum einen erfordert das mehr Absprache im Vorhinein, z. B. mit dem Betriebsrat. Zum anderen werden auch mehr Personen in den Erstellungsprozess selbst mit einbezogen, was diesen zeitaufwändiger macht. Natürlich begründet sich das auch damit, dass die fertigen E-Learning Kurse eine größere Mitarbeiterzahl erreichen und daher vorher von den entsprechenden Abteilungen geprüft werden.

Empfundener Schwierigkeitsgrad
Empfundener Schwierigkeitsgrad der E-Learning Erstellung nach Unternehmensgröße
Zeitaufwand nach Unternehmensgröße
Zeitaufwand nach Unternehmensgröße

In großen Unternehmen macht man sich zudem mehr Sorgen, dass die Effektivität von E-Learning geringer sein könnte als die von Präsenzschulungen (27% vs. 17%). Unter anderem wird befürchtet, dass E-Learning Kurse allgemeingültiger sind als Schulungen vor Ort und somit nicht tief genug in Themen einsteigen. Diese Sorge lässt sich entkräften: Einerseits kann mit einem stufig aufgebauten Schulungskonzept Abhilfe geleistet werden. Hier werden beispielsweise nur grundlegende Kurse für alle Mitarbeiter angeboten, während spezifische Schulungen dann in separaten Gruppen als E-Learning Kurs stattfinden. Zum anderen bietet sich eine Blended Learning Strategie an, um beispielsweise im E-Learning Kurs erlangtes Wissen in Präsenzschulungen zu festigen.

Nachteile nach Unternehmensgröße
E-Learning Nachteile nach Unternehmensgröße

Kleinen Unternehmen fehlt unterstützendes Personal

Kleine Unternehmen befürchten öfter, dass Softwarebedienung kompliziert (17% vs. 6%) und Hilfe von IT oder Assistenten erforderlich sei (34% vs. 29%). Diese Sorge mag darauf zurückzuführen sein, dass IT oder Assistenten in kleinen Unternehmen nicht immer verfügbar sind. Außerdem befürchten sie, dass Inhalte häufig geändert werden müssen oder schnell nicht mehr aktuell sind (31% vs. 13%).

Wie zu erwarten, spielen Kosten und Zeitaufwand in kleinen Unternehmen eine größere Rolle als in großen (jeweils 80% Zustimmung vs. 61%). In großen ist dafür die unmittelbare Kontrolle über Lernergebnisse bei Lernenden wichtiger (74% vs. 67%), was darauf zurückzuführen sein könnte, dass in großen Unternehmen Talentmanagement mit automatischen Bewertungen von Kenntnisstand und Wissenszuwachs eine größere Rolle spielt.

Größte Sorge beider Gruppen, kleiner Unternehmen jedoch erhöht mit 71% (vs. 69%) ist der fehlende persönliche Kontakt/Austausch zwischen Lernendem und Trainer.

E-Learning punktet mit Multimedia und Test-Möglichkeiten

Bei den Vorteilen zum Einsatz von E-Learning verhalten sich die befragten Schulungsverantwortlichen eher erwartungsgemäß. Eigenständiger Zugriff findet bei Schulungsverantwortlichen in großen und kleinen Unternehmen hohen Zuspruch, verstärkt jedoch bei den kleinen. Anzunehmen ist, dass kleine Unternehmen die Möglichkeit schätzen, den Mitarbeitern den Zugriff auf Informationsangebote zu überlassen, statt großflächige verpflichtende (und damit evtl. teurere) Maßnahmen anzubieten.

Weiterhin ist der Punkt „unmittelbare Kontrolle“ für Mitarbeiter beider Unternehmensgrößen wichtig. Nachvollziehbar, dass die großen Unternehmen hier noch etwas mehr Zustimmung ausdrücken (74% vs. 69%). Schließlich wird Kontrolle schwieriger, je größer die Ziel- und Teilnehmergruppen sind.

Die Auswahl an benötigten Unterlagen unterstützt diesen Punkt. In kleinen Unternehmen spielen Tests im E-Learning Rahmen eine deutlich geringere Rolle, stattdessen geht es vielmehr um Inhalte in Form von Dokumenten und Videos. Bei großen Unternehmen hingegen stehen Tests, zusammen mit Video-Inhalten an erster Stelle der benötigten Materialien.

Basismaterialien nach Unternehmensgröße
Basismaterialien E-Learning Kurs nach Unternehmensgröße

Die meisten Unternehmen empfinden Kosten als Vorteil, da E-Learning geringere Kosten verursacht als Präsenzschulung. Kleine Unternehmen empfinden diesen Vorteil deutlich stärker als große Unternehmen. Dies verwundert, da sich der E-Learning Einsatz mit großen Teilnehmergruppen noch deutlich mehr lohnen sollte. Doch kleine Unternehmen können sich Präsenzschulung möglicherweise gar nicht mehr leisten, bei der Häufigkeit und dem Umfang der heute bei Schulungen nötig ist.

Ähnlich verhält es sich mit dem Zeitaufwand. Angesichts der größeren Teilnehmerzahl könnte man davon ausgehen, dass sich bei großen Unternehmen der Zeitaufwand noch schneller reduziert im Vergleich zu Präsenzschulungen. Doch tatsächlich sind es die kleineren Unternehmen, die verstärkt angeben, vom geringeren Zeitaufwand zu profitieren.

Vorteile nach Unternehmensgröße
E-Learning Vorteile nach Unternehmensgröße

Fazit

Trotz einiger Unterschiede sind die Anforderungen in großen und kleinen Unternehmen relativ ähnlich und zeigen, dass E-Learning Angebote vor allem dem fehlenden persönlichen Kontakt und Austausch zwischen Lernenden und Trainern besser gerecht werden müssen. Blended Learning Konzepte haben sich bisher als recht erfolgreich bewiesen, um den persönlichen Kontakt und Austausch zu wahren. Doch wie können Blended Learning Strategien gefördert werden, vor allem in kleinen Unternehmen? E-Learning Anbieter haben hier die Aufgabe, zeitgemäße Blended Learning Lösungen anzubieten und über die Möglichkeiten zu informieren. Dem verstärkten Einsatz von digitalen Lernmöglichkeiten – auch in kleinen und mittleren Unternehmen – sollte dann nichts mehr im Wege stehen.

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