Klischees im E-Learning – Teil 1:
Der Schulungsersteller ist ein technisch interessierter Mann?

E-Learning Trends Annika Willers · vor 4 Wochen

Was wissen wir über „den Schulungsersteller“ im Unternehmen? Wer ist das überhaupt? Die Studie „Dem Schulungsersteller auf der Spur“ geht der Sache auf den Grund. 105 Unternehmensmitarbeiter, die sich selbst als „verantwortlich für die Schulung von mind. 10 Personen“ bezeichnen, wurden nach ihrer Einschätzung zum Einsatz sowie zu Vor- und Nachteilen von E-Learning Angeboten befragt. Heraus kamen höchst interessante Ergebnisse: Nicht nur dass Berufsbilder wie Personaler und L&D Beauftragte nicht unbedingt häufiger E-Learning einsetzen als dem Schulungsgebiet weniger verbundene „fachfremde“ Abteilungsleiter, Geschäftsführer und Co. Auch die Geschlechterrolle entspricht alles andere als dem gängigen Klischee.

Klischees im E-Learning
Mann oder Frau? Wer macht das Rennen bei der Schulungserstellung?

E-Learning = Frauensache?

Tatsächlich setzen weibliche Schulungserstellerinnen ein klein bisschen mehr E-Learning ein als ihre männlichen Kollegen (68% vs. 62%). Die Einstellung der Frauen gegenüber E-Learning ist dabei auch positiver: Die am häufigsten genannten Vorteile beim E-Learning (siehe Grafik) werden von Frauen deutlich stärker bekräftigt als von Männern.

E-Learning Vorteile nach Geschlecht
E-Learning Vorteile nach Geschlecht

Ganz besonders gilt die positive Einstellung gegenüber Vorteilen, die den Lernenden betreffen. So erhält der E-Learning Vorteil „eigenständiger Zugriff“ 91% Zustimmung bei den Frauen, aber nur 69% bei den Männern. Was könnte der Grund für diesen Unterschied sein? Frauen gelten allgemein als emphatischer als Männer (zu dem Schluss kommt u.a. diese Studie über Gähn-Verhalten). Daher machen sie sich möglicherweise mehr Gedanken über die Anwendung bei der Zielgruppe der Schulung. Doch Frauen schätzen auch die eigenen Vorteile stärker als die Männer! Hierunter fällt etwa der geringere Zeitaufwand bei der Erstellung verglichen mit Präsenzschulungen (76% Zustimmung bei den Frauen vs. 54% bei den Männern).

Interessanterweise finden auch die meisten Nachteile von E-Learning bei Frauen mehr Zustimmung, sowohl was die eigene Leistung als auch was den Lernenden betrifft.

E-Learning Nachteile nach Geschlecht
E-Learning Nachteile nach Geschlecht

Selbst dem Punkt „Hoher Zeitaufwand für die Erstellung/Vorbereitung“ stimmen Frauen etwas stärker zu (14% vs. 10%), obwohl sie den Zeitaufwand auch als Vorteil öfter genannt haben. Dem Punkt „Komplizierte Softwarebedienung“ stimmen sogar ausschließlich Frauen zu (15%). Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Möglicherweise fällt es Frauen einfach leichter, Softwarebedienung als Schwäche zuzugeben, vielleicht haben sie diesbezüglich aber auch tatsächlich die größeren Befürchtungen.

Viele Hindernisse – für Männer und Frauen

Männer empfinden es häufiger als Nachteil, dass bei E-Learning Kursen die Inhalte häufig geändert werden müssen oder schnell nicht mehr aktuell sind (23% vs. 17%). Auch Kosten, „andere Nachteile“ und „keine Nachteile“ werden von Männern etwas öfter angegeben. Unter „andere Nachteile“ fallen Punkte wie die Erforderlichkeit von Materialien und PC-Arbeitsplatz sowie die mangelnde Akzeptanz der Teilnehmer.

Den Zeitaufwand für die Kurserstellung empfinden Männer und Frauen gemittelt als eher gleich hoch. Die Effektivität von E-Learning Maßnahmen wird von Frauen etwas stärker geschätzt (mit 18% Zustimmung vs. 13% bei den Männern), jedoch empfinden beide Gruppen die Effektivität von Präsenzschulungen etwa gleich oder höher.

Etwas schwieriger als die Männer empfinden Frauen die selbstständige Erstellung eines E-Learning Kurses (38% der Frauen sagen eher oder sehr schwierig vs. 33% bei den Männern). Dennoch erstellen Frauen Schulungen grundsätzlich öfter alleine (36%) als Männer (18%). Selbstständige Ersteller von E-Learning Kursen sind zwar wenige, aber unter ihnen gibt es tatsächlich mehr Frauen (unter den Befragten 3 Frauen und nur 1 Mann).

Klischees Schulungsersteller

Allerdings gibt die Mehrheit beider Geschlechter die Erstellung von E-Learning Angeboten an andere ab (fast 80% in beiden Fällen) oder erstellt die Angebote zusammen mit einem Team (knapp 20% in beiden Fällen). Es zeigt sich also, dass bei beiden Geschlechtern noch starke Hindernisse für die Selbsterstellung von E-Learning Kursen bestehen.

Fazit

Trotz starker Hindernisse – grade was die eigene Produktion von E-Learning Angeboten betrifft – wird E-Learning vermehrt eingesetzt. Weibliche Schulungserstellerinnen sind dabei eher die treibende Kraft als ihre männlichen Kollegen. Dies begründet sich vor allem in ihrer Einstellung gegenüber E-Learning: Vorteile von E-Learning im Vergleich zu Präsenzschulungen werden bei Frauen deutlich stärker geschätzt – allerdings werden auch einige Nachteile als stärker empfunden. Daher ist es an den Software-Anbietern, Hindernisse wie schwierige Softwarebedienung (oder das Empfinden davon) zu vermeiden.

Jetzt kostenlos: Die E-Learning Studie zum Download

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