Informelles Lernen mit Workplace Learning – ein Gastartikel von Simon Hachenberg vom Kompetenzzentrum Usability

E-Learning Trends Sina Burghardt · vor 9 Monaten

Wie kann das neuerlernte Wissen der Mitarbeiter effektiv und gewinnbringend eingesetzt werden? Diese Frage steht bei der Weiterbildung im Unternehmen häufig an erster Stelle. Doch welche Strategie für die Weiterbildungsmaßnahmen gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In seinem Gastbeitrag stellt Ihnen Simon Hachenberg vom Mittelstand 4.0 – Kompetenzzentrum Usability Workplace Learning als Ansatz für unternehmensinterne Weiterbildung vor.

Workplace Learning

Betriebliche Weiterbildung

In der betrieblichen Weiterbildung spielt die Frage des Anwendungskontextes von Lerninhalten eine entscheidende Rolle. Lernende sollen erkennen, wie sie ihr neu vermitteltes Wissen in der Praxis anwenden können. Stichwort: Kompetenzmanagement. Nach der aktuellen eLearning Benchmark Studie von 2018 steht die Personalentwicklung dabei vor unterschiedlichen Anforderungen, die drei unterschiedliche Bereiche betreffen: Den Lern- und Arbeitsprozess, die Organisation und Kompetenzen. In der untenstehenden Infografik sind die entsprechenden Anforderungen dargestellt.

Infografik Kompetenzmanagement

Der Trend in der beruflichen Weiterbildung liegt aktuell in der informellen Weiterbildung, in der die Vermittlung von Kompetenzen (also: „Wie wende ich das neue Wissen konkret an?“) im Fokus liegt. Die Lerninhalte sollten kurz, personalisiert und auf den Arbeitsplatz angepasst gestaltet sein. So können Lerneinheiten gut in den Arbeitsalltag integriert werden und auch bei konkretem Bedarf (moment of need) aufgerufen werden. Diese Forderung ist keineswegs neuartig. Bereits 1950 stellte M. Knowles erstmalig einen Ansatz vor. Dieses Modell wurde regelmäßig aufgegriffen und ausgebaut. Auffällig ist, dass der Grad der Digitalisierung kontinuierlich zunimmt.

Workplace Learning – historische Entwicklung

Beim Einsatz von digitalen Technologien für die Weiterbildung im Unternehmen kommen Kompetenzanforderungen im Umgang mit den digitalen Technologien und ein Gefühl der Führungskräfte, welche digitalen Kompetenzen bei Mitarbeitern geschult werden sollten, hinzu. Als Unternehmen stehen Sie also vor der Frage, wie Sie ein Lernszenario gestalten können, das diese Anforderungen erfüllt. Entweder haben Sie bereits ein funktionierendes Modell für sich gefunden oder Sie befinden sich noch in der Findung.

Workplace Learning im Unternehmen

Das Konzept von Workplace Learning fokussiert informelle Lernprozesse, wobei formelle Lernprozesse nicht ausgeschlossen werden. Im Gegenteil dienen formelle Weiterbildungen als notwendige Bedingung, um ein Grundwissen zu erzeugen. Die informellen Lernansätze bilden die innerbetriebliche Lernkultur und festigen, vertiefen und erweitern dieses Grundwissen.

Arbeitsort = Lernort

Um ein Konzept des Workplace Learning in einem Unternehmen einzuführen, sind zwei Aspekte zu betrachten:

1. Forderungen der Mitarbeiter

Hinsichtlich der Forderungen der Mitarbeiter stellten Bova et al. fest, dass ein Zusammenspiel aus den Faktoren (1) Tätigkeitsbezug, (2) Informelles Lernen und (3) Formelles Lernen aufgebaut werden muss. Diese Faktoren sollten durch begleitende Eigenschaften bzw. Angebote gestützt werden. So sind Kollegen und Vorgesetzte gefordert, Empathie für neue bzw. junge Kollegen aufzubauen, die entsprechende Rückfragen haben. Gerade Vorgesetzte sollten darauf geschult sein, einen Weitblick zu entwickeln, wie Mitarbeiter gefördert werden können. Hinsichtlich der digitalen Kompetenzen gilt es dann zu prüfen, welche Anforderungen am Arbeitsplatz bestehen und wie entwickelt die Mitarbeiter sind (menschlicher Aspekt). Die Mitarbeiter sollten an ihrem Arbeitsplatz eine adäquate Verantwortungsübertragung erhalten, um neues Wissen aufzubauen bzw. anzuwenden. Im Idealfall werden Mitarbeiter mit einem realen Problem konfrontiert und über die Relevanz für das Unternehmen aufgeklärt. Bei neuen Mitarbeitern kann ein Mentor für Rückfragen bereitgestellt werden (Lernunterstützung durch das Unternehmen). Hinsichtlich der Umsetzung fordern Mitarbeiter ein hohes Qualitätsbewusstsein. Dies bedeutet, dass sowohl das eigene Ergebnis hochwertig und geschätzt ist, wie auch Feedback von Vorgesetzten bzw. der Personalentwicklung hinsichtlich Weiterbildungsbedarfen. Der Aspekt des Digital Leadership (Vorgesetzte erkennen Potentiale und Schulungsbedarf im Umgang digitaler Technologien) spielt hier eine wesentliche Rolle (hohes Qualitätsbewusstsein). Hierbei können spezielle Programme, wie das erwähnte Mentoring, Job Rotation, Trainee-Programme oder Manager Seminare eingesetzt werden. Dies sind nur Beispiele die individuell ergänzt werden können (spezielle Programme).

Forderungen von Mitarbeitern zu Workplace Learning
Forderungen von Mitarbeitern zu Workplace Learning, in Anlehnung an: Bova, B., Kroth, M. 2001.

Bei den Darstellungen handelt es sich um Forderungen der Generation X. Spannend ist, wie die Forderungen der folgenden Generationen aussehen. Speziell die sogenannte Generation Z stellt zum jetzigen Zeitpunkt eine Unsicherheit dar, da diese erst jetzt in den Arbeitsmarkt eintritt. Die Affinität zu digitalen Lösungen könnte die Anforderungen an innerbetriebliche Weiterbildungsansätze verändern.

2. Möglichkeiten im Unternehmen

Im Unternehmen ist zu prüfen, inwieweit diese Forderungen realisierbar sind. Jane Hart stellt einen Ansatz von 5 Stufen des Workplace Learning vor. Dieser Ansatz kann für Unternehmen genutzt werden, um sich zunächst einzustufen und eine Weiterentwicklung des Workplace Learning voranzutreiben.

Stufen des Workplace Learning
Stufen des Workplace Learning in Anlehnung an Jane Hart 2010; Sauter/Sauter 2013.

Diese Kategorisierung in die fünf Stufen und die jeweiligen Methoden stellt einen Richtwert dar. Während Stufe 1 Methoden darstellt, die von der Personalentwicklung bzw. Weiterbildung vorgegeben werden, stellt Stufe 5 ein vollkommen gelöstes Weiterbildungskonzept dar, in dem die Mitarbeiter selbstgesteuert lernen. In der Praxis finden sicherlich Kombinationen aus mehreren Stufen, bzw. Übergangssituationen statt.

Gestaltung des informellen Lernprozesses

Wie setzen Sie die Forderungen der Mitarbeiter jetzt konkret im Unternehmen um? Wie gestaltet sich Workplace Learning als informeller Lernprozess?

Gängige Methoden sind sogenannte Communities of Practice (Lernnetzwerke), Kollegiale Beratung oder Mentoring. Die Mitarbeiter erhalten eine Plattform, um sich informell miteinander auszutauschen. In nicht-virtuellen Umgebungen ist dieses Konzept leicht vorstellbar:

  • Communitites of practice (Lernnetzwerke)
    In regelmäßigen Abständen findet ein Treffen (z. B. Frühstück oder Stammtisch) statt, an dem frei über verschiedene Themen gesprochen bzw. sich ausgetauscht wird.
    Beispiel: Bei einem gemeinsamen Frühstück tauschen sich die Kollegen aus verschiedenen Abteilungen zu laufenden Projekten oder Prozessen aus.
  • Kollegiale Beratung
    Am Arbeitsplatz schaut der Kollege über die Schulter und erklärt die nötigen Schritte bzw. Zusammenhänge.
  • Mentoring
    Beim Onboarding erhalten neue Mitarbeiter*innen eine*n Mentor*in, der/die in der Anfangsphase für Rückfragen zur Verfügung steht.

In einem virtuellen Setting ist das Konzept ebenfalls anwendbar. Um in der virtuellen Umsetzung Austausch und Kommunikation zu ermöglichen, gilt es zu prüfen, wie die Gegebenheiten vor Ort gestaltet sind. Allgemein steht die Frage im Raum, welche Werkzeuge bereits eingesetzt werden:

  1. Lernplattformen?
  2. Webinarräume?
  3. Soziale Plattformen?
  4. Soziale Medien?
  5. Eine Kombination aus mehreren Werkzeugen?

Die Wahl hängt u.a. von dem Ziel und den Gegebenheiten vor Ort ab. Nutzen die Mitarbeiter bspw. bereits regelmäßig eine bestimmte Plattform? Dann steht die Überlegung im Raum, diese Plattform auch weiterhin als hauptsächliches Medium zu nutzen.

Die folgende Grafik zeigt Beispiele, wie digitale Werkzeuge eingesetzt werden können und welche Methoden des Workplace Learning bedient werden:

Workplace Learning – Werkzeuge und Methoden

Und jetzt?

Wenn Sie sich für die Etablierung von Workplace Learning interessieren, stellt dieser Beitrag eine erste Hilfestellung dar. Mit den eingefügten Verlinkungen zu Artikeln und Webseiten, können Sie diese Thematik eigenständig vertiefen. Informelles Lernen kann hier ein möglicher Lösungsansatz von Workplace Learning sein, aber auch andere Ansätze lassen sich umsetzen. Wenn Sie einen Lösungsansatz von Workplace Learning erleben möchten, kann Ihnen das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Usability (MKU) weiterhelfen. Im digitalen Weiterbildungskonzept des MKU werden die Ergebnisse so aufbereitet, dass diese in den Arbeitsprozess integrierbar sind. Hierbei stehen Ihnen u.a. virtuelle Stammtische mit Praktikern zur Verfügung.

Mit Coursepath steht Ihnen ein Learning Management System zur Verfügung, das sich zur Umsetzung von Workplace Learning eignet. Durch die niederschwellige Anwendung der Lernplattform nehmen Sie problemlos Mitarbeiter aller Generationen mit, sowohl diejenigen, die wenig Erfahrung mit digitalen Lösungen haben, als auch diejenigen, die mit der Digitalisierung aufgewachsen sind. In Kombination mit dem Social Intranet Viadesk lassen sich auch komplexere Learning Communities abbilden.