Führungskultur im Wandel: Schlauer als der Chef!

E-Learning Trends Annika Willers · vor 2 Jahren

Wissen, lernen, mitbestimmen – Mitarbeiter wollen heute längst mehr als Gehalt und Dienst nach Vorschrift.
3 Aspekte moderner Führungskultur, die Mitarbeitern und Unternehmen zugute kommen.

Coursepath Postkarte: Schlauer als der Chef

Was macht den Chef heute aus?

Für unsere Marketingkommunikation führen wir eine Postkarte mit der Aufschrift: Schlauer als der Chef. Immer wieder werden wir darauf angesprochen. Schlauer als der Chef – das ist doch gefährlich!

Das Gegenteil ist der Fall. Schlaue Mitarbeiter, sprich qualifizierte, geschulte, mitdenkende Fachkräfte, helfen dem Unternehmen voran zu kommen und auf eine anspruchsvolle Zukunft vorbereitet zu sein. Zum Glück haben mittlerweile einige Führungskräfte diese Einstellung übernommen. So führt der Bericht „Führungskultur im Wandel“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales u.a. 3 Kernaussagen zu „guter Führung“ von Führungskräften in deutschen Unternehmen* an, die die Bedeutung von Mitarbeiter-Verantwortung und -Mitbestimmung unterstreichen:

  1. Fähigkeit zur professionellen Gestaltung ergebnisoffener Prozesse: Angesichts instabiler Marktdynamik, abnehmender Vorhersagbarkeit und überraschender Hypes erscheint ein schrittweises Vortasten Erfolg versprechender als die Ausrichtung des Handelns an Planungen, deren Verfallsdatum ungewiss ist.
  2. Einsatz selbst organisierender Netzwerke: Hiermit verbinden Führungskräfte die Hoffnung auf mehr kreative Impulse, höhere Innovationskraft, Beschleunigung der Prozesse und Verringerung von Komplexität. Der Wissens- und Kompetenzaustausch spielt in solchen Netzwerken eine entscheidende Rolle.
  3. Motivieren durch Selbstbestimmung und Wertschätzung: Führungskräfte gehen davon aus, dass die motivierende Wirkung von Gehalt und anderen materiellen Anreizen tendenziell abnimmt. Persönliches Engagement wird mehr mit Wertschätzung, Entscheidungsfreiräumen und Eigenverantwortung assoziiert. Autonomie werde wichtiger als Statussymbole und der wahrgenommene Sinnzusammenhang einer Tätigkeit bestimme den Grad der Einsatzbereitschaft.

Das Kapital der Mitarbeiter

Für Mitarbeiter hat dieser Wandel in der Führungskultur zur Folge, dass mehr Eigenverantwortung stattfindet. Sie bestimmen über Vorgehensweisen mit, bewerten Situationen im Sinne des agilen Unternehmensgedanken ergebnisoffener Prozesse immer wieder neu und übernehmen Verantwortung für die gefällten Entscheidungen. Voraussetzung: sie müssen stets gut informiert sein, sich mit anderen austauschen und selbst gedanklich agil bleiben. Sie müssen technologische Entwicklungen kennen und im Bezug auf ihr Unternehmen einschätzen können. Keine leichte Aufgabe – kein Wunder dass einige Chefs an der Machbarkeit zweifeln.

Und doch ist diese Eigenverantwortung und Mitbestimmung genau das, was viele Mitarbeiter sich wünschen. Führungskräfte tun gut daran, dies zu ermöglichen und durch geeignete Strukturen und Prozesse zu unterstützen. Konstante Weiterbildung ist ein wichtiger Teil hiervon.

Wenn Mitarbeiter Prozesse selbst in die Hand nehmen

Als Führungskraft einfach nur Weiterbildungsmaßnahmen auszuwählen und bereitzustellen betrachten wir hier eindeutig nicht als Lösung. Denn auch diesen Schritt gehen Mitarbeiter mittlerweile selbst. Entweder suchen sie in Portalen oder Instituten nach relevanten Kursen. Oder sie tauschen sich mit ihren Kollegen aus: Welche Informationen sind im Haus vorhanden? Wer ist der Ansprechpartner für den Stand laufender Prozesse? Kann er oder sie den Status Quo der Belegschaft zugänglich machen?

Aufgabe der Führungskräfte ist es, diesen Austausch zu fördern und gegebenenfalls mit geeigneten Technologien zu unterstützen. Hierzu gehören das Intranet als ein Ort zugänglicher Informationen und hierarchielosen Austauschs. Außerdem Weiterbildungsplattformen auf denen das Wissen einzelner Fachkräfte oder Abteilungen für Kollegen und Partner bereitgestellt wird, die über laufende Prozesse informiert sein sollten. Wichtig dabei ist: Fachkräfte stellen diese Informationen selbst ein und halten sie aktuell. So sorgen sie nicht nur für ihr eigenes aktives Mitgestalten, sondern regen auch den Wissensaustausch im Unternehmen an – ein Prozess von dem letztendlich alle profitieren.

*Quelle: Monitor „Führungskultur im Wandel“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Herausgeber: Initiative Neue Qualität der Arbeit

Dieser Artikel von Mujibor de Graaf erschien zuerst auf Berufebilder.de.