Agiles Lernen im Unternehmen: Die Rolle der E-Learning Anbieter im Wandel

E-Learning Trends Annika Willers · vor 2 Jahren

Mit dem Wandel von Unternehmenskultur, Führungsverständnis und Mitarbeiterbeteiligung hat sich das Angebot von E-Learning Firmen stark verändert. Wo einst in separaten Schritten Lernmanagementsysteme ausgewählt und die Erstellung von Inhalten in Auftrag gegeben wurden, entwickeln moderne Unternehmen ihr Lernangebot situationsbezogen und flexibel.

E-Learning Anbieter begegnen neuen Anforderungen an technischen Voraussetzungen, beschleunigten Prozessen und Agilität

Eine Studie der Fosway Gruppe zeigt, dass der E-Learning Markt sich stark verändert und alte Trennungen zwischen Portalen und Inhalten aufgebrochen werden. „Anbieter von individuellen Lernangeboten bieten nun auch Portale, während Softwareanbieter konkrete Inhalte mit in ihr Angebot nehmen“ bestätigt David Perring, Director of Research der Fosway Gruppe. Es zeigt sich, dass Kunden sich nicht länger mit vordefinierten Lösungen zufriedengeben, sondern das Lernangebot in ihren Unternehmen flexibel gestalten wollen, ohne permanent zwischen den Anbietern zu wechseln. Zudem werden laut der Studie für das Jahr 2017 neue Lernformen wie „Next Generation Learning“ gewünscht, zu welchem mobiles Lernen und der Fokus auf ein Lernerlebnis zählen. Diese Anforderungen stellen E-Learning Anbieter vor Herausforderungen, die sich mit E-Learning Szenarien der letzten Jahre kaum noch abdecken lassen.

Bisherige Ansätze werden durch den Wandel in Unternehmen und ihrer Kultur in Frage gestellt:

  • Bisher gab es üblicherweise pro Firma maximal ein LMS, welches unternehmensweit eingesetzt wurde.
    Jetzt möchten Unternehmen aus unterschiedlichen Systemen bedarfsabhängig auswählen können.
  • Bislang wurden die meisten E-Learning Inhalte über externe Autorentools oder Agenturen erstellt und per SCORM im LMS implementiert und bereit gestellt.
    Jetzt wird stärker ausgewählt: Sollen Inhalte intern oder extern erstellt werden? Welche didaktischen Anforderungen sind gegeben? Wo liegen Erstellungsaufwand und Budget?
  • Bisher wurden Kurse nach Beendigung eines Lernprojekts ausgewertet und zusätzliche Umfragen ausgeführt, die Zufriedenheit und Effektivität der Lernangebote messen sollten.
    Jetzt sollen die Phasen von Lernprojekten dynamischer gestaltet werden, d.h. im ständigen Wechsel zwischen Ergebnistracking, Evaluierung, Verbesserung und Neuerstellung von Inhalten.

Die neuen Anforderungen ergeben sich vor allem durch den aktuellen Wandel in Produktzyklen und Unternehmenskultur – hierzu gehören etwa veränderte Hierarchieverhältnisse, agile Prozesse und vermehrte Forderungen nach Weiterbildung, Beteiligung und Mitbestimmung vonseiten der Arbeitnehmer. Auf Lernangebote hat dieser Wandel konkrete Folgen, die hier im einzelnen näher betrachtet werden.

1. Zielgruppen sind weniger homogen.

Zunehmend weniger werden Zielgruppen für Unternehmensschulung als homogene Masse behandelt. Stattdessen wird mehr auf individuelle Unterschiede sowie solche zwischen den Mitarbeitergenerationen geachtet. Dementsprechend werden Lernangebote flexibler gestaltet, sodass Teilnehmer von E-Learning Kursen eigene Vorlieben berücksichtigt finden. Dazu gehören unter anderem Präferenzen wie mobiles Lernen oder Microlearning – Lernen in kurzen Einheiten und mit möglichen Unterbrechungen. Einige Systeme gehen darauf ein, indem sie Browser-basierten Abruf im responsiven Design ermöglichen, sodass die Auswahl des Gerätes sowie die Lerndauer dem Nutzer selbst überlassen werden.

2. Neue Lernzwecke erfordern flexible Lernlösungen.

Nicht nur Präferenzen und Lernstile ändern sich, auch die Situationen, in denen E-Learning eingesetzt werden kann und soll, werden konstant erweitert. Beispielhaft sei hier die Produktschulung von Vertriebsteams im Ausland genannt, wo E-Learning aufgrund der zeitlichen und örtlichen Flexibilität verstärkt eingesetzt wird. Für maximale Flexibilität sind die etablierten Lernmanagementsysteme jedoch meist nicht ausgerüstet: zu aufwendig sind Installation auf mobilen Geräten und oft fehlen die sozialen und interaktiven Komponenten die auch beim Lernen auch auf Abstand für Effektivität der Kurse sorgen. Daher sind viele Firmen heute flexibler aufgestellt und setzen einzelne (meist Browser-basierte und nicht fest installierte) Programme für einzelne Lernzwecke ein, die nach Ablauf des Lernprojekts gegebenenfalls ersetzt werden können. Cloud-basierte Dienste und Software-as-a-Service haben sich daher auch im E-Learning etabliert.

3. Prozess- und Lernzyklen werden beschleunigt.

Im dynamischen, agilen Unternehmen finden Prozess- und Produktzyklen viel schneller statt als zuvor. Damit einher geht der Bedarf an Schulungen und es werden laufend neue Kurse produziert, bzw. vorhandene Materialien überarbeitet. Im selben Tempo müssen Kurse ausgewertet werden, was vereinfacht wird, wenn Umfrage-Tools für die Kursevaluation bereits integriert sind. Generell wird die Auswertung nach Big Data Vorbild immer wichtiger und detaillierter. Stichwort hierbei ist Learning Analytics. Für die Verwaltung und Auswertung von Lernangeboten bedeutet dies einen enormen Aufwand, der gerade in kleineren Unternehmen nur dann adäquat bewältigt werden kann, wenn Systeme als All-in-one Lösungen bei allen notwendigen Schritten unterstützen.

Der Weg der E-Learning Anbieter

4. Mitarbeiter erstellen mehr Inhalte selbst.

Im Sinne von Empowerment und zunehmender Eigenverantwortung von Mitarbeitern, übernehmen Mitarbeiter innerhalb des Fachbereiches vermehrt selbst das Erstellen von Kursen (auch bekannt als DIY Ansatz, abgekürzt von „Do It Yourself“). Dies beschleunigt Prozesse, da Inhalte nicht zwischen HR- und Fachabteilung und möglicherweise einer externen Agentur abgestimmt werden müssen. Stattdessen können Mitarbeiter ihr Wissen direkt in Kurse übertragen und diese laufend verbessern und aktualisieren. Jedoch sind Mitarbeiter aus Fachabteilungen dabei mehr als andere abhängig von entweder integrierten oder externen Autorentools, die ohne IT- oder andere Vorkenntnisse zu bedienen sind. DIY Tools, die selbsterklärend funktionieren und Raum für kreative Gestaltung lassen, spielen daher zunehmend eine Rolle.

5. Spaß als Voraussetzung für Teilnahme und Erfolg.

Der Wunsch nach Lernerlebnissen, wie er unter anderem im Bezug auf Next Generation Learning geäußert wird, stellt Lernmanagementsysteme vor die Herausforderung interaktiver und unterhaltsamer zu werden. LMS-Anbieter integrieren hierfür vielfach neue Features und Funktionen. Vor allem aber spezialisieren sich E-Learning Agenturen auf die Erstellung von Lernangeboten, die genau diesen Anforderungen entsprechen. Mit didaktischer Aufbereitung von Materialien, hochwertigen Kurzfilmen und Animationen bis hin zur Integration von Gamification, sorgen Agenturen für Motivation und Effektivität beim Lernen. Durch Gestaltung der Kursangebote nach dem Prinzip des adaptiven Lernens werden Frustrationen der Lerner verhindert. Lerner auf Anfängerlevel werden dabei umfassend in das Thema eingeführt, während erfahrenere Teilnehmer direkt an ihren Wissensstand anknüpfen können. Damit werden die Kurse niemals als „zu schwierig“ oder „zu einfach“ empfunden und ein flüssiges Lernerlebnis gewährleistet.

6. Mitarbeiter überprüfen ihren eigenen Lernerfolg.

Mitarbeiter übernehmen zunehmend Verantwortung, auch für ihren eigenen Lernerfolg. Workplace Learning Advisor Jane Hart spricht hierbei von „Employee-Led Learning“, welches Teilnehmer zu eigenen Entscheidungen bei der Weiterbildung befähigt. Teil dieses Prinzips ist, dass Mitarbeiter ihre Lernfortschritte nachverfolgen können. Eine weitere wichtige Komponente zur Steigerung der langfristigen Lernmotivation ist die Zertifizierung von Lernerfolgen. Das Erlangen von Zertifikaten bietet den Mitarbeitern eine offizielle Anerkennung ihrer Leistung und ein Zeichen der Wertschätzung von Seiten des schulenden Unternehmens. Durch die Kombination von mehreren motivationssteigernden Elementen kann ein zusätzlicher Synergie-Effekt entstehen, der sich deutlich in der Lernerfolgsquote wiederspiegelt.

7. Agile Unternehmen revidieren und erweitern ihre Entscheidungen.

Die heutigen Arbeitsprozesse laufen schneller und autonomer ab als noch vor einigen Jahren. So entscheiden sich einzelne Abteilungen oder Arbeitsgruppen relativ unabhängig und spontan für Software und Systeme, die ihrem eigenen Bedarf entsprechen. Bei Projektabschluss oder geänderten Anforderungen kann das System auch wieder abgesetzt werden. Es kann aber auch passieren, dass das System auf weitere Bereiche ausgeweitet wird. Diese Flexibilität ist Projekt- und Abteilungsleitern immer wichtiger und so wählen sie zunehmend Software-as-a-Service Lösungen, die sich nach Bedarf buchen und kündigen lassen. Zusätzlich erwarten sie von den Anbietern, dass Erweiterungen jenseits des Kernangebots möglich sind.

Der Weg der E-Learning Anbieter

Ob Software-Provider oder Agentur, die Anforderungen durch Digitalisierung und neuer Unternehmenskultur hat zu enormen Erweiterungen des eigenen Angebots geführt. Da ein zunehmend breites und flexibles Angebot nur selten in absoluter Eigenleistung erbracht werden kann, setzen auch die Anbieter im E-Learning Bereich auf agile Vorgänge und schließen sich bedarfsgerecht mit anderen Anbietern zusammen. Beginnt ein Unternehmen also die Kurserstellung mit einer Lernsoftware in einem Lernmanagementsystem, bekommt es zeitgleich auch die Möglichkeit, bestimmte Kurse erstellen und aufbereiten zu lassen – ohne dass es verschiedene Anbieter dafür zusammen bringen muss. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit zwischen dem Coursepath LMS und dem Inhalte-Anbieter und Beratungshaus ILT Solutions. Durch Übertragung via Schnittstellen wie SCORM und API sind Systeme und Inhalte relativ einfach miteinander zu kombinieren. Außerdem sorgen die E-Learning Anbieter selbst für Abstimmung und Integration untereinander. So bleiben den Unternehmen lästige Anbieterwechsel erspart und die Flexibilität zwischen interner und externer Erstellung erhalten.

Fazit: E-Learning Anbieter profitieren von gemeinsamen Lösungen

Anbieter im E-Learning Sektor haben sich auf einige Herausforderungen einzustellen und tun dies bereits sehr erfolgreich, indem sie ihr Angebot erweitern und zeitgemäße Lernformen möglich machen, die Unternehmen und Mitarbeitern entgegen kommen. Doch die Entwicklung bleibt hier nicht stehen. Die beschleunigten Prozesse im Unternehmen erfordern auch bei Anbietern eine konstante Bereitschaft zum Umdenken, Umprogrammieren und Ausbauen des eigenen Angebots. Nur durch aktives Monitoring der Unternehmenskultur und Mitarbeiterbedürfnisse im modernen Arbeitsumfeld schaffen Anbieter die zeitgemäße Umsetzung von Lernlösungen und bieten Produkte und Dienstleistungen, welche die betriebliche Bildung voranbringen. Da auch der Mitarbeiter selbst stets mehr im Vordergrund steht, müssen Lernlösungen sowohl auf Unternehmensbedürfnisse wie Agilität und Transparenz als auch auf individuelle Bedürfnisse wie Mobilität und Lernerlebnis eingehen – ein Spagat der nicht immer einfach zu bewältigen ist. Nicht weiter verwunderlich, dass sich viele Firmen nicht mehr als feste Anbieter einer bestimmten Lernlösung sehen, sondern im Zusammenschluss mit anderen ein umfassendes, dynamisches Lösungspaket anbieten, aus dem sich Kunden für jede Situation entsprechende Bestandteile auswählen.