Interview: Moderne DIY Kurserstellung im LCMS

E-Learning Trends Sina Burghardt · vor 5 Monaten

Schaut man auf die Systemlandschaften für die betriebliche Bildung deutschsprachiger Unternehmen, dann zeigt sich nicht selten ein sehr heterogenes Bild. Nicht selten sind in Unternehmen diverse Tools im Einsatz, um eLearning zu gestalten und anzubieten: Autorentools und LMS laufen als getrennte Systeme und werden von unterschiedlichen Personen betreut. Dabei gibt es mit einem modernen Learning Content Management System die Möglichkeit, eLearning von der Produktion über die Verteilung bis hin zum Reporting über ein einziges System zu gestalten. Um die Stärken und Limitierungen eines LCMS zu besprechen, stand dem eLearning Journal Mujibor de Graaf von Coursepath für ein Interview zur Verfügung.

DIY Kurserstellung
Kurserstellung nach dem Do-It-Yourself Prinzip: Eigene Inhalte sind leicht in E-Learnings umgewandelt.

eLearning Journal: Guten Tag Herr De Graaf. Auch die betriebliche Bildung bleibt von der Digitalisierung nicht verschont und immer mehr Unternehmen setzen bei der Schulung der Mitarbeiter auf eLearning. Während insbesondere Millennials als technikaffin und dadurch gegenüber eLearning als aufgeschlossen gelten, kann es bei älteren Mitarbeitern zu Widerständen kommen. Welche Erfahrung haben Sie mit der Akzeptanz von eLearning bei unterschiedlichen Generationen gemacht?

Mujibor de Graaf: Das ist tatsächlich so. Die Akzeptanz von eLearning ist bei den jüngeren Generationen größer als bei den älteren, schon alleine dadurch, dass die Millennials mit der Digitalisierung aufgewachsen sind. E-Learning stellt für sie eine hervorragende Ergänzung dar, insofern Kurse nicht langweilig aufbereitet sind und auch neue Ansätze wie Gamification und Microlearning aufgreifen. Die älteren Generationen stempeln Digitalisierung öfter als kompliziert ab. Kürzlich haben wir eine Umfrage durchgeführt und auch hier herausgefunden, dass insbesondere die komplizierte Bedienung der E-Learning Software oftmals als Hindernis gesehen wird, allerdings nicht nur bei den älteren Generationen. Und genau da knüpfen wir an, indem wir E-Learning einfach, intuitiv und benutzerfreundlich gestalten – für alle Generationen. So lassen sich Online-Trainings erstellen, die einerseits die Millennials abholen, weil sie ansprechend gestaltet sind, und andererseits auch die älteren Generationen nicht durch komplizierte Bedienung abschrecken.

eLearning Journal: Eure Plattform „Coursepath“ soll als zentrale Infrastruktur Unternehmen von der Erstellung über die Verwaltung bis hin zur Auswertung von eLearning unterstützen. Wie genau kann man sich die Funktionalität von Coursepath vorstellen? Welche Mehrwerte bietet die Plattform sowohl für Einsteiger als auch für Unternehmen mit eLearning-Erfahrung?

Mujibor de Graaf: Zentral ist hier ein gutes Stichwort – als LCMS vereint Coursepath die Erstellung, Durchführung und Auswertung in einem Tool. Das heißt, dass innerhalb eines Tools die gesamte Abwicklung des E-Learnings stattfinden kann. Dafür hat Coursepath ein integriertes Autorentool, das die Kurserstellung einfach macht, ohne dass zusätzliche Software benötigt wird. Und genauso erfolgen anschließend auch die Nachverfolgung von Aktivitäten und die Auswertung der Lernergebnisse zentral auf Coursepath. Dass alles in nur einem System abgebildet wird, ist nicht nur ein Mehrwert für Einsteiger, die nicht mit einer Fülle an neuen Tools überhäuft werden wollen. Auch für Unternehmen, die bereits Erfahrung mit E-Learning haben, ist es ein Vorteil, wenn sie alle Strukturen in einer zentralen Anlaufstelle – dem LCMS – zusammenführen. So wird E-Learning übersichtlicher und nachvollziehbarer.

Kurserstellung unterwegs
Ein responsives Design ermöglicht mobiles Lernen ohne Einschränkung.

eLearning Journal: Eine Stärke von Coursepath ist das integrierte Autorensystem, mit dem Unternehmen selbstständig Lerneinheiten produzieren können. Welche Vorteile ergeben sich durch diese „Do-it-yourself“-Option von Coursepath gegenüber einem klassischen LMS ohne Autorensystem?

Mujibor de Graaf: Kurse sind im Handumdrehen selbst erstellt, z. B. indem eine PowerPoint Präsentation konvertiert wird. Das zu vermittelnde Wissen ist in den Abteilungen meistens schon vorhanden und muss nur noch an die anderen Mitarbeiter oder Partner weitergegeben werden. Wenn E-Learnings selbst erstellt werden, dann kann dieses Wissen also unmittelbar aus erster Hand weitergegeben werden. Und das bedarf mit unserem Do-It-Yourself Ansatz nicht einmal viel Zeit. Zum Beispiel war das E-Learning Projekt der BetterDoc GmbH mit der AOK Hessen nach nur wenigen Wochen online – die Erstellung der Kurse haben die Mitarbeiter selbst übernommen und dann konnten die Teilnehmer auch schon mit dem Lernen loslegen. Die Unternehmen brauchen also nicht zwingend einen E-Learning Experten als Mitarbeiter oder Dienstleister, der die Inhalte erstellt. Für unseren Do-It-Yourself Ansatz sind wir gemeinsam mit BetterDoc gerade auch mit dem eLearning AWARD in der Kategorie LCMS ausgezeichnet worden.

eLearning Journal: Daneben gibt es im eLearning-Markt eine ganze Reihe von eigenständigen Autorentools, mit denen Experten dank einer großen Funktionsvielfalt hochwertige und anspruchsvolle Lerneinheiten selbst erstellen können. In wieweit kann Coursepath bei der Eigenproduktion von Lerneinheiten mit dedizierten Autorentools mithalten? Gibt es Alleinstellungsmerkmale?

Mujibor de Graaf: Einschränkungen gibt es natürlich, da mit Coursepath selbst z. B. keine Videos oder SCORM-Inhalte erstellt werden können. Das heißt allerdings nicht, dass diese nicht integriert werden können. Wir haben den Fokus von Coursepath auf die Benutzerfreundlichkeit und die intuitive Kurserstellung gelegt. Dieser zugunsten verzichten wir vielleicht auf das ein oder andere Feature – so bleibt Coursepath aber besonders übersichtlich und darauf legen wir großen Wert. Unser Alleinstellungsmerkmal ist also unsere selbsterklärende Software, mit der jeder selbstständig und ohne Vorkenntnisse und lange Einarbeitung E-Learning Kurse erstellen kann – nach dem Do-It-Yourself Prinzip.

eLearning Journal: Mobile Endgeräte werden nicht nur in der Berufswelt allgemein sondern insbesondere auch in der betrieblichen Bildung immer wichtiger. Ist Coursepath mit mobilen Endgeräten kompatibel? Falls ja, wie umfangreich können die Funktionen der Plattform auch mobil genutzt werden?

Mujibor de Graaf: Wir haben Coursepath so gestaltet, dass die Plattform ein responsives Design hat. Das heißt, dass sich die Inhalte immer an das Endgerät anpassen. Mobiles Lernen ist mit Coursepath also ohne Einschränkungen möglich – auch ganz bewusst ohne App. Sogar die Kurserstellung ist prinzipiell mit dem Smartphone möglich. Vor allem für die Lernenden bietet die Nutzung am Smartphone oder Tablet einen großen Mehrwert. Totzeiten wie z. B. beim Pendeln zur Arbeit können gut für einzelne Lerneinheiten genutzt werden. Ein Trainer kann auf dem Weg zum Meeting noch einen Blick auf die Ergebnisse der Kursteilnehmer werfen. Um es kurz zu fassen: alle Funktionen können auch mobil genutzt werden. Das kommt besonders den Millennials entgegen, die gerne zwischen den verschiedenen Endgeräten wechseln, trifft aber auch bei den älteren Generationen nicht auf Widerstand. Letztlich ist das unser Grundgedanke: Wissen soll für alle verfügbar sein. Nicht die Technik oder das Endgerät soll entscheidend sein, sondern der einfache Zugang ohne irgendwelche Hürden.


Dieses Interview mit Mujibor de Graaf erschien zuerst im eLearning Journal Kaufberater & Markt.