Das neue DIY Denken in Unternehmen – Teil 1

E-Learning Trends Annika Willers · vor 2 Jahren

Gestaltung und Produktion in den Händen der Mitarbeiter

Do-It-Yourself (DIY) erobert nicht nur Baumärkte, sondern auch Unternehmen: durch Eigeninitiative und -bestimmung wird Potential für neue Projekte ganz neu entdeckt. Unternehmen nutzen diese Entwicklung für sich, indem sie Mitarbeitern Verantwortung übertragen und Raum zur Gestaltung geben. Gefördert wird diese Kulturveränderung durch die Verfügbarkeit unterschiedlichster Online-Tools, die Mitarbeiter befähigen, vielseitige Aufgaben selbst zu übernehmen.

DIY in Unternehmen und privat

DIY in Unternehmen: Gestaltung in Eigenverantwortung

Warum ist DIY so beliebt – nicht nur bei Hobby-Bastlern, sondern auch bei Arbeitnehmern und Unternehmen? Do-It-Yourself (DIY) bedeutet Aktion (Do it) auf eine selbstständige Art (Yourself) und gibt dem Menschen somit Handlungsspielräume für eigenbestimmte Projekte. Dabei stehen sowohl Gestaltung als auch Endergebnis in der Eigenverantwortung des Handelnden. Und das gefällt den Menschen, zumindest deutet der Heimwerker-Trend darauf hin: es wird gebastelt, gezimmert und verschönert: ob an Wänden, Möbeln oder Websites, Blogs und Videos. Der DIY-Gesamtmarkt stieg 2015 auf beträchtliche rund 229 Milliarden Euro.

Noch findet diese Kreativität überwiegend in den eigenen 4 Wänden statt: Arbeitnehmer nutzen handwerkliche Tätigkeiten oft als Ausgleich zum „fremdbestimmten, gehetzten Berufsleben“. Doch bleibt die Entwicklung hier nicht stehen. Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität, Transparenz und Mitbestimmung am Arbeitsplatz, doch sehen diese Bedürfnisse bisher nur selten erfüllt.

Vertrauen und Verantwortungsgefühl müssen wachsen

Wenn sich Mitarbeiter aktiv einbringen wollen, warum sollte man das nicht für das Unternehmen nutzen? Oft fehlt dafür kreativer Raum im Unternehmen. Zum Teil liegt das an fehlender Bereitschaft von Führungskräften, Kontrolle abzugeben und Mitarbeitern Befugnisse zu geben. Grade der oft selbstverständliche Umgang mit digitalen Medien bei jüngeren Mitarbeitern kann auf Vorgesetzte einschüchternd wirken, was wiederum in Furcht vor Kontrollverlust resultiert.

Ein zweiter Grund für den Mangel an Förderung von Eigeninitiative und -verantwortung ist fehlendes Wissen über Tools und Dienste, die motivierte Mitarbeiter bei der Umsetzung unterstützen. Üblicherweise werden externe Dienstleister eingesetzt, die Erfahrung und Expertise vorweisen und für viel Geld ein angeblich passgenaues Produkt verkaufen. Dabei kennen Mitarbeiter die Anforderungen und Details innerhalb des Unternehmens viel besser. Sie wissen über die aktuellen Informationen und Änderungen bescheid und können sich auf kurzem Wege mit anderen Beteiligten abstimmen. Externen Dienstleistern ist dies oft vorbehalten.

Nicht gleich das ganze Büro zur Werkstatt machen!

Natürlich können Mitarbeiter nicht gleich alles übernehmen. Klassischerweise wird hier die Make or Buy Frage gestellt: Lohnt sich die Eigenfertigung gegenüber der Fremdanfertigung? Neben den „rationalen“ Aspekten wie Kosten und Effizienz, spielen hier aber auch Motivation und Innovationskraft eine Rolle. Genauso müssen die Kapazitäten der Mitarbeiter überprüft und Aufgaben gegebenenfalls umverteilt werden.

Hier kommen die immer besser werdenden Online-Tools ins Spiel, die dafür sorgen, dass trotz der gerne angenommen Eigenverantwortung die Kapazitätsgrenzen nicht so schnell erreicht werden. Ein Online-Tool unterstützt Projekte aller Art – zum Beispiel die Anfertigung eines Vertriebstrainings – durch die extern gelieferte Infrastruktur und standardisierte Verfahren zur Projektabwicklung. Hilfreich für kreative, interne Projekte sind sie vor allem dann, wenn sie die Möglichkeit geben, von der vorgefertigten Linie abzuweichen und Feedback mit anderen Beteiligten auszutauschen. Und, da Flexibilität immer wichtiger wird, sollten die Tools nicht bloß auf dem Arbeits-PC sondern auch ohne Aufwand auf anderen Geräten und unterwegs abrufbar sein. Damit lassen sich schnelle Anpassungen gewährleisten.

Graswurzel-Kapitalismus: 3D-Drucker sind erst der Anfang

Wie so oft, wenn es um Produktion und Öffentlichkeit geht, wird Karl Marx genannt. So auch bei Chris Anderson in seinem SZ Interview „Jeder ist ein Fabrikant“. Hier wird der Begriff „Graswurzel-Kapitalismus“ eingeführt: „Der Kapitalismus von unten, den wir nun zum Beispiel im Internet sehen, erweist sich als pulsierend und effektiv. Er lässt nicht nur großen Konzernen Raum. Jeder kann eine Webseite, App, Firma schaffen. Dieser Graswurzel-Kapitalismus wird durch die Demokratisierung der Produktionsmittel ermöglicht. Auch die neue industrielle Revolution der 3-D-Drucker kann so eine Form des Kapitalismus hervorbringen – nur eben im industriellen Sektor. Es wird große Firmen geben, was toll ist, aber eben auch viele kleine.“

3D-Drucker haben bereits ein Umdenken geschaffen und sind ein sehr plastisches Beispiel für den Trend zum DIY in Unternehmen. Genau wie Online-Tools unterstützen 3D-Drucker beim Selbst-Erstellen auf kleiner Skala und lassen rasche Änderungen zu. Dennoch gehen Online-Tools in Sachen Flexibilität und Zusammenarbeit bereits einen Schritt weiter. Material und Entwürfe lassen sich online gemeinsam bearbeiten, noch bevor ein erster Schritt in Richtung Produktion gegangen wird. So kann das Feedback aller Mitwirkender einfließen. Auch wenn nicht jeder aktiv etwas beiträgt, kann der einzelne Mitarbeiter stets den aktuellen Stand live mitverfolgen und auf die aktuelle Version des Projektes zugreifen.

Durch DIY Projekte zu Selbstwertgefühl und Wertschätzung – ein Beispiel

Wie könnte solch ein selbstgeleitetes Projekt aussehen? Nehmen wir ein Beispiel: Lena arbeitet seit anderthalb Jahren im Marketing einer Hotelkette. Sie hat vor geraumer Zeit eine Online-Ausrichtung der Hotelbroschüren vorgeschlagen, doch wurde das Projekt abgelehnt, weil bereits eine Printbroschüre besteht, die als PDF auch digital verwendet werden kann. Nun hat sie ein Tool entdeckt, mit dem sie eine Online-Broschüre auf Basis des bereits vorhandenen Materials selbst erstellen kann – ohne Agentur-Kosten. Sie verwendet dafür die im Tool mitgelieferten Templates und stellt ihre Bilder, Texte, Links und Filme ein. Das Ergebnis kann sie direkt einsehen und ihren Vorgesetzten vorstellen. Deren Änderungswünsche setzt sie im Tool direkt um. Nun hat sie eine interaktive Broschüre, die sie im Newsletter an die Kunden verschickt.

Vorteil für Lena: sie sieht ihren Erfolg direkt und kann Änderungen auch nach der Veröffentlichung noch vornehmen. Sie erspart sich mühevolle Revisionsrunden mit Externen und wählt den kurzen Weg zur Abstimmung mit den Vorgesetzten. Diese können die Broschüre auch unterwegs auf dem Handy abrufen. Durch das responsive Design kann mit der Broschüre auch dort in hoher Qualität interagiert werden, sodass Lena für ihre Arbeit ein großes Lob erhält, und motiviert an der nächsten Edition arbeitet. Hätte sie das Projekt an Externe abgegeben, hätte es aufgrund der kurzfristigen Änderungen unnötige Korrekturläufe gegeben. Durch ihre Eigeninitiative und selbsterbrachte Leistung fühlt sich Lena in ihrer Position im Marketing gestärkt. Für sie ein Grund, im Unternehmen zu bleiben und ihre Position dort auszubauen.

Annika Willers

Annika Willers

Medien- und Kommunikationsexpertin mit Schwerpunkt Informationsverhalten im Netz. Ich freue mich auf Ihre Fragen oder Anregungen.

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