5 Tipps für erfolgreiches Online-Training in Unternehmen

Tipps & Tricks Manuel Yasli · vor 1 Jahr

Foto: E-Learning in Unternehmen

Worauf müssen Sie bei Online-Trainings in Unternehmen achten?

Der Markt für Online-Trainings und allgemein E-Learning wächst in Deutschland stetig. Vergleicht man die in den letzten Jahren vom MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung veröffentlichten Studien (aus dem Jahr 2017 oder aus dem Jahr 2014) wird deutlich, dass der E-Learning-Markt in Deutschland einem stetigen Wachstum unterliegt. Eine Hochrechnung im MMB E-Learning-Wirtschaftsranking 2014 zeigt, dass in den Jahren 2012 – 2013 der Umsatz der E-Learning-Branche von rund 513 Mio. auf 582 Mio. angestiegen ist.

Allerdings bedeutet dieses knapp 14%ige Wachstum nicht, dass E-Learning ohne Weiteres in jedem Unternehmen erfolgreich ist. Die folgenden 5 Tipps helfen Ihnen, Ihr Online-Training effektiver umzusetzen – für Unternehmen und Lernende.

Folgende Punkte werden in diesem Artikel angesprochen:

  1. Ängste nehmen
  2. Persönlichkeit schaffen
  3. Frustrationen vermeiden
  4. Dauerhaft motivieren
  5. Klar strukturierte Inhalte in einfacher Lernumgebung

 

1. Ängste nehmen

In Unternehmen gibt es oft Widerstände, wenn es um die Einführung von Online-Trainings geht. Diese beruhen auf diffusen und meist unberechtigten Ängsten: Mitarbeiter befürchten mitunter, dass ihr Arbeitsplatz durch die Einführung von E-Learning überflüssig werden könnte. Noel Tichy hat 1983 beschrieben: Menschen sind Gewohnheitstiere, die dazu tendieren Dinge zu wiederholen, die sie gewohnt sind.

Das haben wir schon versucht. So arbeiten wir hier nicht. Es ist zu kompliziert. Das ist nicht unser Problem.

Geben Sie deshalb dem komplexen Veränderungsprozess genügend Raum. Vor allem dann, wenn in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiter bislang nicht online gelernt haben.

Das von Kurt Lewin entwickelte Drei-Phasen-Modell zu sozialen Veränderungsprozessen ist dazu eine gute Handlungsanleitung:

  1. Auftauen („unfreezing“)

  2. Diese erste Phase dient der Vorbereitung der Veränderung.
      Die von der Veränderung betroffenen Personen werden informiert und frühzeitig mit in den Change-Prozess einbezogen. Auf diese Weise können Widerstände abgebaut und Meinungen sowie eventuelle Ängste direkt geäußert werden. Erklären Sie die Vorteile der Einführung von E-Learning für das Unternehmen und kommunizieren Sie auch die Nachteile, wenn es keine Veränderung geben sollte. Transparenz ist ebenfalls wichtig: Ungewissheit ist Gift für den Change-Prozess. Dieser erste Schritt „taut“ Menschen und Strukturen auf. Die Veränderung wird dadurch einfacher und ein Erfolg wahrscheinlicher. Durch eine gründliche Vorbereitung vermeiden Sie auch unnötige Kosten.

  3. Verändern und Bewegen („changing“)

  4. In der zweiten Phase findet die eigentliche Durchführung der Veränderung statt.
      Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass Veränderungen für die meisten Menschen nicht einfach sind und ihnen Energie abverlangen. Der Veränderungsprozess sollte von den Verantwortlichen bzw. Ihnen unterstützend begleitet werden. Sorgen Sie für die Lösung von Problemen und die Beseitigung von Unklarheiten. Reagieren Sie schnell auf Schwierigkeiten, um Gerüchte und unnötige Eskalationen zu vermeiden.

  5. Einfrieren („refreezing“)

  6. In der letzten Phase soll sich die Veränderung festigen und nicht mehr als „fremd“ angesehen werden.
      Stellen Sie sicher, dass die neuen Abläufe wie vorher geplant funktionieren und eingehalten werden. Motivieren Sie Ihre E-Learner dauerhaft. Die Entscheidungsträger sollten weiter von der Veränderung überzeugt sein und diese unterstützen. Für alle Beteiligten ist es von Vorteil, wenn sie Feedback äußern können und es ernstgenommen wird.

Last but not least: Feiern Sie die erfolgreiche Veränderung gemeinsam!

Als Inspiration schauen Sie sich auch diese TED-Rede an: Embrace the Change von Perth Jason Clarke:

2. Persönlichkeit schaffen

Lernen Sie als Trainer Ihre Teilnehmer kennen und schaffen Sie so eine persönliche Atmosphäre. Es ist ebenfalls hilfreich, wenn sich die Teilnehmer untereinander kennenlernen – schließlich werden sie in vielen Fällen zusammenarbeiten.

Am besten geeignet ist natürlich ein persönliches Treffen. Dies ist allerdings nicht immer realisierbar (zu große Distanz, zu wenig Zeit usw.), daher kann ein Kennenlernen auch als Online-Konferenz stattfinden.

3. Frustrationen vermeiden

Haben Ihre Lernenden noch keine Erfahrungen mit Online-Training, sollten sie zu Beginn nicht überfordert werden und vor allem motiviert bleiben. Um unnötige Frustrationen zu vermeiden, bringen Sie als Trainer Ihren Teilnehmern die Besonderheiten eines Online-Trainings von Anfang an näher.

Foto: Frustration

  • Eigenverantwortliches Lernen spielt beim E-Learning eine besonders wichtige Rolle. Die Lernenden müssen sich selbst gut organisieren können und idealerweise intrinsisch motiviert sein. So festigt sich das Gelernte nachhaltiger.
  • Lernen braucht Zeit. Ein Unternehmen muss seinen Mitarbeitern dafür auch die nötige Zeit einräumen.
  • Vor allem in kooperativen Szenarien müssen soziale Umgangsformen gewahrt werden. Stellen Sie am besten eine Netiquette zur Verfügung oder lassen Sie Ihre Teilnehmer einem Code of Conduct zustimmen. In MOOCs wie z. B. auf Coursera werden solche grundlegenden Verhaltensregeln stets bereitgestellt und Teilnehmer müssen diesen zustimmen. Ein kurzes Beispiel finden Sie hier: Beispiel für einen Code of Conduct.

4. Dauerhaft motivieren

Wie gestalten Sie Ihre Lernumgebung so, dass Lernende Lust haben sich dauerhaft aus eigenem Antrieb heraus mit ihr zu beschäftigen? Im Folgenden soll eines der Motivationsmodelle vorgestellt werden:

Das ARCS-Modell Das Motivationsdesign stammt aus dem Jahre 1987 und wurde von Keller und Kopp entwickelt. Das Akronym ARCS steht für

  1. Attention – Aufmerksamkeit
  2. Relevance – Relevanz
  3. Confidence – Zuversicht
  4. Satisfaction – Zufriedenheit

Verankern Sie diese vier Bedingungen von Anfang an in Ihrem Online-Training-Konzept. Erzeugen Sie beim Lernenden durchgängig Aufmerksamkeit: Das können Sie u.a. durch eine lebendige Gestaltung der Lerninhalte mit Video, Abbildungen, Text und Ton erreichen.

Unter Relevanz verstehen Keller und Kopp ein auf die Lehr- und Lernziele ausgerichtetes Lernangebot, das zu den Eigenschaften und Bedürfnissen und damit der Lebenswelt der Lernenden passt. So können sie eine Beziehung zum Lernstoff aufbauen. Informieren Sie über die genauen Anforderungen des Kurses und die Bewertungskriterien. Sorgen Sie für sinnvolle Aufgaben mit denen die Lernenden ihr Wissen festigen können. Diese Aufgaben sollten sich an den Voraussetzungen und Fähigkeiten der Lernenden orientieren und sie nicht überfordern. So stärken Sie die Zuversicht der Teilnehmer.
Zufriedenheit kann durch intrinsische und extrinsische Motivation entstehen. Geben Sie den Lernenden das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun, was für sie selbst wichtig ist. Verstärken Sie die Motivation weiter mit extrinsischen Belohnungen, wie positiver Verstärkung und motivierendem Feedback.

Last but not least sollten Sie immer ein einheitliches und konsistentes Bewertungsniveau beibehalten.

5. Klar strukturierte Inhalte in einfacher Lernumgebung

Das aus dem Design-Bereich stammende Prinzip „form follows function“ besagt, dass die Form immer der Funktion folgen soll. Diese Aussage lässt sich auch sehr gut auf das E-Learning übertragen: Lernsysteme mit einem schier unendlichen Funktionsumfang lassen einen schnell vergessen, worauf es eigentlich ankommt. Ist es zielführend möglichst viele Funktionen einzubauen, nur weil es sie gibt oder sie den aktuellsten Stand der Technik nutzen? Sicher nicht. Es sollte immer bedacht werden, wer die Zielgruppe ist und welche Ansprüche sie mitbringt. Muss alles interaktiv, anklickbar und bewegt sein oder reicht auch ein Text mit einer erklärenden Illustration?
Wichtig ist es den Fokus auf Lerninhalte und die Zielgruppe zu legen. Wenn die Lernenden den Durchblick verlieren oder von unnötigem Drumherum abgelenkt werden, verlieren sie nicht nur die Lust am Weitermachen, sondern auch ihre Motivation.

Foto: Bergsteiger

Weniger ist in diesem Fall also mehr: Je weniger komplexe Elemente es gibt, in die sich der Lernende eindenken muss, desto mehr Zeit kann er mit den eigentlichen Lerninhalten verbringen. Die Lernplattform sollte deshalb möglichst intuitiv bedienbar sein und ein so genanntes responsive Design haben. Diese Art von Design erlaubt es einer Lernplattform auf allen Endgeräten nutzbar zu sein und macht sie somit ubiquitär einsetzbar. Klar strukturierte Lehr-/ und Lerninhalte sorgen für einen besseren Lernerfolg. Als Trainer sollten Sie außerdem darauf achten, dass Ihnen ein WYSIWYG-Editor zur Verfügung steht und Sie schnell unterschiedliche (externe) Inhalte wie z. B. Bilder, Videos und Slideshows usw. in Ihre Kurse einfügen können. Auch ist es praktisch, wenn Sie PowerPoint-Folien hochladen und diese in einen Kurs konvertieren können. Das spart Zeit und somit auch Geld.